Absatzflaute drückt auf Glasindustrie

Auch Verallia zieht Konsequenzen aus der sinkenden Nachfrage von Glasbehältern und schließt in Deutschland ein ganzes Werk. Für Hersteller, die auf sinkende Preise wegen Überangebot gehofft hatten, sind enttäuscht: Die Glaspreise dürften wegen der brutalen Konsolidierung weiter steigen.

Die Verallia Deutschland AG, die deutsche Sparte des französischen und nach eigenen Angaben weltweit drittgrößten Glasherstellers Verallia (Umsatz 2024: 3,5 Mrd Euro bei 16 Mrd produzierten Flaschen und Gläsern; 35 Standorte in zwölf Ländern), schließt sein Werk in Essen-Karnap, den nördlichsten seiner vier Standorte. Begründung von Verallia: Rückgang der Nachfrage nach Glasverpackungen. Speziell für Deutschland sieht der Konzern keine Aussicht auf Erholung. Die Glashütte in Essen ist spezialisiert auf die Produktion von Bierflaschen. Allerdings war INSIDERN zufolge zuletzt nur noch eine Wanne in Betrieb, die Weißglas für die GDB produzierte. Offenbar soll das Werk bereits Ende März dicht gemacht werden. Derzeit sind dort rund 300 Mitarbeiter angestellt. Die verbleibenden Kapazitäten sollen auf Bad Wurzach, Neuburg und Wirges verteilt werden.

Zwar kam die Schließung selbst für Glas-INSIDER überraschend, doch reiht sie sich nahtlos ein in drei weitere Werkschließungen in Deutschland aus den vergangenen zwölf Monaten: BA Glass in Gardelegen, O-I in Bernsdorf und Ardagh in Drebkau. Deutschland als Produktionsstandort wird aufgrund hoher Gas- und Stromkosten zunehmend unattraktiv.

Die Schließungen dämpfen die Hoffnung von Getränkeherstellern, wonach sinkende Nachfrage zu einem Preisverfall bei Neuglas führt. Nachdem der europäische Glasverpackungssektor laut Verallia bis 2020 jährlich um 2% gewachsen war, drückte nach kurzer Entlastung während der Pandemie 2023 ein Minus von 13% in die Bücher. Die Glaspreise explodierten. 2024 wurden laut Bundesverband der Glasindustrie 3,6% weniger Getränkeflaschen verkauft. Bei Bier und Spirituose stand ein Minus von 5%, bei Wein und Schaumwein -1,5%. 2026 liegen die Preise 10% über 2023, für 2027 rechnen INSIDER mit weiterem Aufschlag. Der Flaschenpreis für NRW 0,5 l liegt aktuell bei 16 Cent, der für Long-Neck 0,33 l bei 13 Cent.

Das Abschmelzen von Glas, bei dem auch die wieder beliebter werdende Verpackung Dose eine Rolle spielt, ist dabei kein nationales Phänomen. Auch in Frankreich, in Châteaubernard, schließt Verallia einen Standort. Ebenso in Knottingley in Großbritannien, wobei dort parallel ein Werk in Leeds hochgefahren wird. Und Vetropack macht mit dem Standort in Saint-Prex sein letztes Werk in der Schweiz dicht.

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