Für die meisten Beteiligten überraschend demontieren die Gesellschafter der GeMeMa ihren eigenen Geschäftsführer. Für die Verhandlungen mit Pool-Wettbewerber MPB eher kein gutes Zeichen – auch wenn es als solches verkauft wird.
Man hielt es in Reihen Warsteiner, Krombacher, Bitburger und Radeberger offenbar nicht für opportun, dem seit Gründung der GeMeMa amtierenden Gf Hans Baxmeier, ehemals Chef von Petcycle, eine Träne zum eher unfreiwilligen Abschied hinterher zu weinen. Erst nachdem INSIDE über seine Demission und die halbgare Neubesetzung des Jobs durch den mittlerweile pensionierten Bitburger Logistikleiter Stefan Braß berichtet hatte, schoben die Brauer eine wachsweiche Story hinterher nach dem Motto: Beginn einer neuen Phase. Oder was auch sonst. Wenig Dank, keine Blumen. Seltsam.
Die 2019 formulierte und zu harten Corona-Zeiten 2020 operativ gestartete Gesellschaft für Mehrwegmanagement (GeMeMa) sollte mit dem Versprechen, sauber gepflegte Bierflaschen-Pools zu gründen, Luft aus der immer hitziger geführten politischen Diskussion um die Praktikabilität des deutschen Mehrwegsystems nehmen. Gelungen ist dies bisher nicht: Außer einem 0,33-Liter-Longneck-Pool, der den GeMeMa-Gesellschaftern keine größeren Anstrengungen abverlangt, brachten sie nichts zustande. Selbst als J. Nordmanns Störtebeker-Brauerei in Stralsund kurz vor Weihnachten 2021 den Stapellauf eines 0,5 Liter Longneck-Pools mit den eigenen 150.000 hl begleiten wollte (INSIDE 892), hieß es am Ende: außer Spesen nix gewesen.
Starthilfe von der MPB?
Das war aber laut Beobachtern nicht die Schuld des zunehmend frustriert wirkenden Hans Baxmeier, sondern der GeMeMa-Gesellschafter, die nach diversen Management-Wechseln daran scheiterten, dass kein Mittelständler im Konzert der Großen mitsingen wollte. Auch das Konzept einer Poolflasche, die am Ende allen zur Verfügung steht, entpuppte sich als Webfehler. 2016 hatte u.a. Bitburger den von Krombacher, Warsteiner, Rewe, Edeka und Kaufland initiierten und von GS1 moderierten Mehrweggipfel platzen lassen, als eine neue Poolflasche in den Markt gehoben werden sollte (INSIDE 738). Logistikchef bei Bitburger war schon damals Stefan Braß, dem jetzt, ein halbes Jahr nach seiner Pensionierung, die Ehre zuteil wird, die GeMeMa irgendwie weiterzuführen. Braß wird zwar offiziell Baxmeiers Nachfolger als Gf, fungiert tatsächlich aber eher als Moderator in Teilzeit, der die Marketing-Leute seiner Gesellschafter und deren Techniker unter einen Hut bringen soll, wenn demnächst an einer neuen Poolflasche gestrickt wird.
Eine pikante Mission, deren Gelingen womöglich ausgerechnet mit der Kooperationsbereitschaft der MPB zusammenhängt, jener ungeliebten Konkurrenzveranstaltung aus München, NRW und Hamburg, die als Mehrwegpool der Brauwirtschaft ebenfalls 2020 aus dem Boden gestampft wurde – allerdings genossenschaftlich. Intern heißt es, man sei unter Baxmeier auf einem guten Weg gewesen, die beiden Pool-Initiativen zusammenzuführen. Bislang scheiterten Avancen daran, dass die MPB (die selbst noch gar keinen Pool zustande gebracht hat) anders als die GeMeMa einen Eigentumsvorbehalt bei Pool-Bottles geltend machen würde. Falls die zwei doch noch zusammenfinden, könnte sich genau das als Glücksformel erweisen.
Artikel aus INSIDE 967
