Der DGL-Coup

Vorletzten Donnerstag kündigten sowohl Edeka als auch Kaufland an, ihre Mehrweg-Belieferung in die Hände der DGL zu legen (INSIDE-Hot Shot vom 10.10.). Neben Rewe/Trinks etabliert sich Block No. 2. Mit Folgen für die komplette Branche.

Selbst Wettbewerber zollen Respekt: „Das ist ein Husarenstück, was der Rütters da hingekriegt hat.“ Der Chef der Deutschen Getränkelogistik DGL hatte mit Unterstützung seiner Gesellschafter Radeberger/Oetker und Veltins (halten je 50%) parallel beide LEH für ein langfristiges Commitment gewonnen. Laut Rütters werden sowohl Edeka als auch Kaufland auf die DGL „als präferierten Partner für die Voll- und Leergutlogistik“ zurückgreifen. 

Von der Edeka, zumindest von der größten Region Edeka Minden-Hannover, hatte Rütters schon vorher eine langfristige Liefervereinbarung erhalten. Mit dieser Zusicherung konnte er die Übernahme von Splendid-Hannover und den Aufbau eines 15.000 qm-Lagers in Bremen in Angriff nehmen, wo die Edekaner bis dato noch von Trinks bedient werden. Nach dem Einstieg der Rewe ist Trinks als Lieferant für die Edeka untragbar. 

Aus dem gleichen Grund grübelt seit einem Jahr Kaufland über neuen Versorgungsplänen für Mehrweggetränke. Das Brainstorming in Neckarsulm spuckte viele Lösungen aus. Erwogen wurde u.a. ein Kauf der Winkels Getränkelogistik, um die 200 Kaufland-Märkte im Südwesten zu bedienen und ein Faustpfand in der Hand zu halten, falls Trinks in anderen Regionen nicht ordentlich liefert. Doch die Familie Kaufmann sprach sich gegen einen Verkauf aus (wie die Mitarbeiter unlängst erfuhren – INSIDE 961). 

Trinks unter Druck: Wie viel schießt Rewe nach?

Stattdessen stand bei Kaufland ein anderes Angebot im Raum. Gerüchteweise soll die Rewe bereit gewesen sein, den Gesellschafterkreis bei Trinks zu erweitern. Hintergrund: Die Reduktion auf den Kundenkreis Rewe pulverisiert die hauchdünnen Gewinne von Trinks endgültig. Zwar werden Rewe-Mengen zu Trinks verlagert, doch das ist teuer: teils werden wenige Paletten über 130 km weit gefahren. Ergebnis: Der Großteil der Kapitalaufstockung durch die Rewe fließt ins operative Geschäft, für die angestrebten Investitionen in automatisierte Lagertechnik oder neue Standorte muss nachgeschossen werden. Ob die Rewianer das mittragen? 

Entschieden hat sich Neckarsulm nun aber für die dritte Lösung: Für Rütters, der laut INSIDERN einen 10-Jahres-Vertrag aushandelte. Die DGL beliefert aktuell nur ein Fünftel der 770 deutschen Kaufland-Märkte. In Zukunft sollen auch die übrigen Märkte, die je zur Hälfte von Trinks und von Mitgliedern der P-SGL  (u.a. Winkels, Waldhoff, Ziegler, Splendid, Ahlers, Geins, Mellis) beliefert werden, unter die Obhut der DGL wandern. Wann genau, ist eine Frage der Vertragslaufzeiten (Ende 2025 bis Ende 2026). 

Zurück marsch marsch im Norden: Spielball Splendid

Bei der Edeka holt die DGL nun auch verloren geglaubte Mengen in die GFGH-Welt zurück. So untersagt die Edeka Minden-Hannover Coca-Cola EP die Streckenbelieferung, was bei Coke zu Standortschließungen und horrenden Mitarbeiter-Abfindungen führt (INSIDE 961: „Cokes güldene Abrissbirne“) und bei der DGL für 11 Mio Zusatz-Kisten. Und die Edeka Nord, die Trinks nach dem Rewe-Deal vor die Tür setzte und auf Eigenbelieferung umschwenkte, rudert zurück. Splendid Drinks in Geesthacht, ehedem als Trinks-Unterverleger aktiv, wird wieder Edeka fahren. Mittelfristig, so ahnen INSIDER, wird die DGL zumindest die Abrechnung übernehmen. Vielleicht eines Tages auch den zwar unmodernen, aber top gelegenen Standort. Auch für Splendid Satow könnte die DGL Interesse zeigen. 

Kaum jemand verliert durch die Aufteilung der Strecken-Landschaft so wie Splendid. Nach dem Rückzug aus Bielefeld und Hannover brennt es inzwischen auch in Sachsen. Dort zieht die Rewe laut INSIDERN rund 10 Mio Kisten zu Trinks Leipzig und Dresden rüber. Für die Splendid-Standorte Gera, Ottendorf, Chemnitz und Oschatz wird die Luft dünner. Greifen die DGL-Gesellschafter Radeberger und Veltins, denen Rütters ein EBIT von 1% versprochen hat, auch hier nochmal in die Tasche?.  

In anderen Regionen könnten auch innovative Lösungen zum Zuge kommen. Zurzeit steckt die Edeka Südbayern fast 200 Mio Euro in zwei Hightech-Läger, die allein für Edeka überdimensioniert sein könnten. Eine neutrale DGL als Betreiber oder Plattform könnte da auch andere Kunden bedienen. Z.b. Kaufland. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Rütters hat noch was vor.  

Artikel aus INSIDE 962

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