Der Einkaufsring der Deutschen Getränkemärkte EKR schärft sein Profil und damit seine Klingen. Mit der neuen „Aktivgruppe der TOP 4“, bestehend aus den stärksten Gesellschaftern Orterer, Hoffmann, Ahlers und Heurich, will man die Industrie freundlich erinnern, wer die wahren Big-Player im Fachhandel sind.
Die Gründung der Aktivgruppe ist auch eine Reaktion auf die neue Einkaufs- und Vermarktungskooperation Beverage Independent Group BIG, die mit Georg Gorki und Thorsten Schön in vorderster Linie die große Konditionen-Keule schwingt. Das ist nicht der Stil vom EKR. Aber durch das selbstbewusste Auftreten der BIG fühlen sich die EKR-Granden Orterer, Hoffmann, Ahlers (Hol‘ Ab!) und Heurich offenbar bemüßigt, die Machtverhältnisse im deutschen Fachhandelsmarkt geradezurücken. Dazu hat EKR-Geschäftsführer Heiner Müller im Namen der TOP 4 ein Schreiben an die wichtigsten Lieferanten verschickt.
Noch bevor der eigentliche Brief beginnt, werden die Leistungskennziffern der TOP 4 aufgelistet: Orterer, Hoffmann, Ahlers und Heurich stehen mit über 1.000 Filialen für knapp 1,5 Mrd Euro Umsatz und einen Umsatz/Filiale von 1,4 Mio Euro. Die Botschaft ist klar: Die dicken Fische schwimmen im EKR-Teich und nicht in Eggenfelden.
Das weitere Signal, das gesendet werden soll: Die Industrie möge ihre Budgets nicht nur in den LEH stecken. So heißt es in dem Brief: „Als Zeichen unserer langjährigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit bieten wir Ihnen, ergänzend zu unserer bestehenden Vereinbarung, weitere Vermarktungsleistungen an, um mit ihrer Marke gemeinsam zusätzliche Absätze zu generieren und um Sie damit bei Ihren Vertriebszielen zu unterstützen. Wir werden uns dabei weitestgehend auf Ihre Vermarktungsvorstellungen einlassen.“
Die zusätzlichen Vereinbarungen (etwa Produkteinführungen, Displayaktionen, Zweitplatzierungen) sollen losgelöst von den Jahresgesprächen sein. Die Aktivgruppe garantiert dabei eine verbindliche, flexible, schnelle Umsetzung und eine nationale Durchsteuerung bis ins letzte Outlet. Auch die restlichen EKR-Gesellschafter wie Geins oder Rössler können sich beteiligen. Für diese Leistungen wird selbstredend eine Gegenleistung verlangt. Der EKR macht das im Vergleich zu anderen Kooperationen beinahe demütig. Und so endet der Brief mit den Worten: „Geben Sie uns Bescheid, was wir kurzfristig für Sie tun können.“ Auch wenn die Töpfe der Industrie laut EKR nicht angezapft werden sollen, so könnte man das auch so lesen: „Gebt uns Geld. Ihr könnt euch aussuchen für was.“
Dieser Artikel erschien in INSIDE 965


