Glasbranche unter Feuer

Die Glasindustrie inklusive der Glashändler ist in der Zwickmühle. Die Absätze der Getränkehersteller sinken mehrheitlich. Die Preise für Glas gaben zuletzt nach. Vor den Herbstverhandlungen wird heftig gezockt. 

„Es muss weitere Preiserhöhungen geben“, sagen Vertreter der Glasbranche. Die Getränkehersteller sehen das naturgemäß anders. Vor vier Jahren gab es in Folge des Ukraine-Kriegs, bei dem auch Glaswerke im von Russland angegriffenen Land zerstört wurden, heftige Erhöhungen - teilweise bis zu 80%. Das hat sich zuletzt gedreht. Viele Glashersteller – wie Freital oder auch Gardelegen – müssen neu investieren. 20 Mio Euro kostet eine Runderneuerung. Doch aus Glasherstellersicht stellt sich die Frage: Lohnt sich das?

Freital sollte schon geschlossen werden. Doch die Gewerkschaften kannten die gesetzlichen Kündigungsfristen besser als diejenigen, die schließen wollten. Ende Juli, zunächst verkündet, war utopisch. Derzeit versucht Freital mit knackigen Angeboten, Geld in die Kasse zu holen. Nur so kann die Energie auch bezahlt werden, die nötig ist, um Glas herzustellen. Das Teuerste an der Produktion ist die Energie. Und die gibt es nur auf Vorkasse.

Auch wenn Freital stark renovierungsbedürftig bliebe: Auf niedrigere Preise können die Getränkehersteller nicht unbedingt hoffen. 

Gardelegen knipst Licht aus

Die portugiesische BA Glass gab derweil zu Protokoll, ihr Werk in Gardelegen dicht zu machen – laut Ankündigung der vergangenen Woche per Ende September. Doch auch hier interveniert die Gewerkschaft. So schnell wird es nicht gehen. INSIDER rechnen frühestens Ende des Jahres mit dem Ende von Gardelegen. Das Glaswerk hat eine bewegte Geschichte, wechselte mehrmals den Besitzer. 

Nun hat der Juniorchef von BA Glass, Thiago Moreira da Silva, der seit vergangenem Jahr am Ruder ist, aus „Kostengründen“ das schnelle Aus entschieden. BA Glass, einer der Großen mit 14 Standorten, hat nur das eine Werk in Deutschland, aber auch drei in Polen, zwei in Rumänien und eins in Mexiko. 

Konsoldierung in vollem Gang

Auch einer der ganz Großen, OI (Owen-Illionois) tritt laut Branchengerüchten bald auf die Bremse. In der OI-Glashütte Bernsdorf, in die die Amerikaner erst vor kurzem 20 Mio Euro investiert haben und Jägermeister einer der Großkunden ist, soll in wenigen Tagen mit niedrigeren Temperaturen getempert werden. Das funktioniert nur eine Weile, etwa drei Monate. Aber es sind die entscheidenden Monate. In der Glasindustrie ist die Ansage ganz klar: Ohne Preiserhöhungen wird dicht gemacht. Realistisch, sagt ein INSIDER, wären im ersten Schritt fünf Prozent. Noch ist alles offen. Befürchtet wird, dass der Glasmarkt bei größeren Preiserhöhungen zusammenbricht. 

Und da sorgt ein Gerücht für Unruhe. Der Discounter Aldi soll, wissen INSIDER, derzeit nicht nur für Getränke prüfen, auf PET umzustellen. Ein heisser Herbst steht bevor, in dem es auch bei den Glashändlern eine weitere Konsolidierung geben dürfte. Tricor Braun hat bereits einige kleinere Händler übernommen wie Glassland aus Bonn und jüngst einen Händler in Rumänien. Auch Berlin Packaging mit Tricor Braun aus den USA, soll mit dem Scheckbuch unterwegs sein. Die verbliebenen kleinen selbstständigen Händler bekommen regelmäßig Besuch. Noch sind einige standhaft.       

 

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