Hawesko mit nüchterner Zwischenbilanz

Der Weinhandelskonzern Hawesko hat seine Neunmonatszahlen mehr versteckt als gemeldet. Verständlich: Gut sind sie nämlich nicht.

Sang- und klanglos hat der neue Hawesko-Finanzvorstand Nicolas Tantzen das Zahlenwerk für die ersten neun Monate unterschrieben. Mit Ansage publiziert wurde in diesem Jahr nicht. Erst nach vielen Klicks kommen Interessierte an die Zahlen. Und die sind alles andere als erfreulich: Der Umsatz sank um 1,8% auf 425,27 Mio Euro. Der operative Gewinn liegt mit gut 9,5 Mio Euro um satte 33% unter Vorjahr.

Der stationäre Handel (Jaques‘ Weindepot, ein Zugpferd der Vorjahre) legt nicht nur nicht zu, er schafft auch den Vorjahreswert nicht. Beim noch größeren Geschäftszweig, der Sparte E-Commerce unter der Marke Hawesko, sieht es mit Blick auf den Umsatz nicht besser aus. Lediglich das Großhandelsgeschäft (der Verkauf zu Geschäftskunden) konnte zulegen. Das ist beachtlich. Trotz des unter Druck stehenden Gesamtmarktes florierte vor allem der Spirituosenabsatz, für den der jüngst von Bord gegangene Thomas David verantwortlich war. Seit 1. Oktober ist er mit seinem eigenen Distributionsunternehmen Spirits Platform NXT unterwegs.

Das Zugpferd beim Umsatz ist allerdings weniger profitabel als die anderen Sparten. Das E-Commerce-Geschäft konnte den Gewinn trotz rückläufiger Umsatzzahlen immerhin halten. In der Summe ging es nicht auf. Hawesko dreht seit einiger Zeit kräftig an der Kostenschraube. Eine schwierige Melange. Es ist nicht einfach, bei allem Kostensparen mögliches Wachstum nicht abzuwürgen. Den Anlegern mundet das alles nicht. Der Aktienkurs von Hawesko geht immer weiter nach unten.

Hauptaktionär ist Detlev Meyer. Nach einem Kurs von 60 Euro zu Corona-Zeiten muss er aktuell zusehen, wie der Kurs bei 20 Euro und zum Teil sogar darunter dümpelt. INSIDER betonen immer wieder, Hawesko sei für Meyer ein Herzensprojekt. Diese These wird nun auf die Probe gestellt. Der jetzige Aktienkurs entspricht einer Kapitalmarktbewertung, reduziert um die Hälfte (und bezogen auf Gewinne, Ebit) gegenüber dem Zeitpunkt, zu dem Meyer übernahm.

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