Am 2. Oktober 2012 detonierte eine Bombe. Die deutsche Getränkebranche erlebte eine Zeitenwende. Der Getränke-Ring, über den 1.000 Getränkefachgroßhändler ihre Umsätze mit beinahe genauso vielen Lieferanten abrechneten, meldete überraschend Insolvenz an.
Beinahe 900 Millionen Euro flossen jährlich durch den Regulierungskreislauf. Zum Zeitpunkt des plötzlichen Endes der Geldströme haben sich laut Schätzungen rund 50 Mio Euro im Kreislauf befunden. Was folgte, war eine jahrelange Aufarbeitung: Der GFGH in Gänze verlor Vertrauen. Die Wettbewerber Geva (heute mehrheitlich Oetker/Transgourmet), GES, Für Sie eG (Rewe) und Markant sprangen in die Bresche, doch das Abrechnungs- und Delcredere-Geschäft hatte Schaden genommen.
Die eingesetzte Factoring-Gesellschaft Coface spielte eine unrühmliche Rolle, den Ring-Vorständen Elmar Baumert und Gerald Lange-Hermstädt konnte aber kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.
Zwölf Jahre und 1,1 Mio Euro Verfahrenskosten später (davon rund eine Mio Vorschuss und Vergütung für Insolvenzverwalter Dr. Jan-Markus Plathner) wurde letzte Woche bei einer Gläubigerversammlung am Amtsgericht im hessischen Friedberg der Liquidationsinsolvenzplan angenommen.
Plathner konnte den Gläubigerausschuss, in dem neben DZ Bank und Coface auch der Bundesverband GFGH und, als Vertreter der Getränkeindustrie, Hassia-Chef Dirk Hinkel sitzen, mit einer überraschend hohen Quote überzeugen. 27,9% der Forderungen sollen nun zur Auszahlung kommen.
Ursprünglich 40 Mio Euro wurden von Gläubigern angemeldet, davon blieben 22,5 Mio Euro als „unbedingt festgestellte Forderungen“ übrig. 6,275 Mio Euro werden an die vielen Gläubiger ausgeschüttet. Als später fröhlicher Fall-Out der damaligen Bombenexplosion.
