Nicht nur um die Konditionsverhandlungen mit seinen Kunden zu befeuern, kokettierte Winkels-Lenker G. Kaufmann seit einem Jahr mit einem Verkauf (INSIDE 941). In einem Schreiben an die Mitarbeiter stellte er nun aber eindeutig fest: Das 400 Mio Euro Umsatz große Unternehmen wird nicht verkauft. Für INSIDER ist das Thema dennoch nicht vom Tisch.
Als „Großmogul von Baden-Württemberg“ (INSIDE 635) hat Gerhard Kaufmann die Getränkelogistik im Südwesten seit Jahrzehnten unter Kontrolle. 2019 wurde mit Heinrich-Kornwestheim der letzte von der Karte getilgt, den ein Investor eventuell zu so etwas wie einen Konkurrenten hätte ausbauen können (INSIDE 831).
Doch die Vormachtstellung steht auf wackligen Beinen. Die Rewe hat sich Trinks nicht geangelt, um in Teilen der Republik langfristig auf Streckenverleger angewiesen zu bleiben. Das Rewe-Volumen ist für Winkels‘ Zentralläger in Sachsenheim (nahe Ludwigsburg) und Östringen bei Karlsruhe sowie das Regionallager Donaueschingen unverzichtbar. Für die Edeka Südwest, die über eine eigene Mehrweglogistik mit vier großen Standorten verfügt, ist Winkels nur als Dienstleister beschäftigt. Der Rest verteilt sich auf Unterverleger, Fachhändler und den übrigen LEH, angeführt von Kaufland.
Kaufmann, inzwischen 74 Jahre alt, und seine Tochter Denise, 42, haben das Dilemma in aller Offenheit gegenüber Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern angesprochen. Zu Beginn des Jahres bestätigte Kaufmann Gespräche über einen Verkauf. Dabei blieb unklar, ob die 340 Mio Füllungen großen Mineralbrunnen mit ihren vier Standorten und sieben Abfüllanlagen mitverkauft werden, oder wie die eng mit der Logistik verwobene Sparte eigenständig fortzuführen wäre. Als Interessenten (für die Logistik) galten neben Trinks/Rewe oder DGL vor allem die Edeka Südwest sowie Kaufland. Man wolle sich bis zum Ende des Sommers entscheiden, erklärten die Kaufmanns intern.
Diese Entscheidung ist nun gefallen. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter gaben Gerhard und Denise bekannt, dass die Winkels Unternehmensgruppe weiterhin eigenständig als Familienunternehmen agieren möchte. Ein Verkauf sei vom Tisch.
Gerhard Kaufmann gehören selbst 50,1% an der Unternehmensgruppe (davon 22,6% über seine Winkels Stiftungsverwaltung). Denise hält weitere 4,9%.
Doch die Kernprobleme sind nicht gelöst. Auch wenn Rewe/Trinks langfristig bei der Stange bliebe. Winkels geht es trotz der Monopolstellung im Südwesten genauso wie vielen anderen Streckenverlegern. Auf die von dünnen Margen, komplexeren Sortimenten und hohen Personalkosten ausgezehrte Getränkelogistik rollt eine gigantische Investitionswelle zu.
Trinks (Rewe) oder DGL (Radeberger/Veltins) verfügen über wuchtige Geldgeber, die nicht auf Logistikerträge angewiesen sind. Dort wird jetzt viel Geld in Digitalisierung und automatische Sortiertechnik geschossen. Auch die Edeka (z.B. Südbayern) baut Hightech-Mehrwegzentren, die in den Augen von Logistik-INSIDERN aus dem jetzigen Getränkegeschäft niemals zu bezahlen sind. Doch herkömmlichen Streckenverlegern fehlen die Mittel.
Kauflands Joker
Und so bleibt die Beteuerung von Gerhard Kaufmann, an seinem Unternehmen festzuhalten, eine Momentaufnahme. Strecken-INSIDER haken das Thema nicht ab, die Mehrweglogistik-Landkarte sei weiterhin in Bewegung. Gefordert ist aus ihrer Sicht vor allem der drittgrößte Mehrweg-Vermarkter, die Schwarz-Tochter Kaufland. Auch ohne die Schwester Lidl (die von etwaigen EU-Mehrwegpflichten ausgeklammert bleibt) sucht Kaufland nach einer Lösung für die Getränkelogistik. Angeblich, so wird aus dem Umfeld berichtet, soll noch in diesem Jahr eine strategische Entscheidung fallen. Winkels könnte zumindest als Faustpfand dienen, falls die Rewe-Tochter Trinks an anderen Orten der Republik nicht gut liefert.
Artikel aus INSIDE 961
