Outsider: Mosas Märchenstunde

Holger Messner

Lieber INSIDER,

erinnern Sie sich noch an die rührseligen Aussagen von Markus Mosa aus dem vergangenen Oktober? Es sei weder im Interesse von Handel noch von Industrie, so Mr. Edeka, dass der Aktionspreisanteil von Markenartikeln im ersten Halbjahr 2024 gestiegen sei. Den schwarzen Peter dafür schob er den Herstellern zu. Schließlich seien im selben Zeitraum die Sonderangebote bei Eigenmarken heruntergefahren worden. Da würde mich schon interessieren, woher Mosa die Chuzpe nimmt, am heutigen Freitag (17.01.) das Netto-Eigenmarkenbier Falkenfelser (Hersteller u.a. Oettinger) 20x0,5 L für 4,99 Euro zu verkloppen? Zwischen diesem Frontalangriff auf eine gesamte Kategorie und seinen mahnenden Worten sind genau 90 Tage vergangen. Die Mehrwegwaffe, mit der Edeka sich gegenüber Aldi und Lidl profiliert, legt er nicht aus der Hand. Dabei kostet der Liter Handelsmarke im Discount (in der Dose) übrigens mehr als doppelt so viel wie Nettos Falkenfelser. Irre.

Bei ganz klarem Verstand hingegen hat Charly Finkbeiner Fakten geschaffen. Das Gründungsmitglied des Einkaufsrings der Deutschen Getränkemärkte hat EKR-Geschäftsführer Heiner Müller seine Kündigung zugestellt. Es geht um einen neuen Gesellschafter und offenbar gebrochene Vereinbarungen (siehe rechts). Um verlorenes Vertrauen geht es auch bei Orterer. Der bayerische GAM-König will sich nach dem Einstieg der Rewe bei Trinks von seinem langjährigen Lieferanten nicht mehr in die Bücher schauen lassen und nicht zu deren Spielball werden. Seine Mehrwegbelieferung legt er somit lieber in die Hände eines Bruders im Geiste: Geins. Und noch einen weiteren Bruch hält das neue Jahr parat: Hans Baxmeier ist nicht mehr Geschäftsführer der GeMeMa (siehe S. 5). Allerdings ist der Impact auf die Branche zunächst mal als eher gering zu bezeichnen. Denn so wirklich vorangekommen ist die Mehrwegpool-Gesellschaft seit ihrer Gründung vor über vier Jahren kaum – was nicht an Baxmeier lag.

Äußerst zäh geht es ebenso weiterhin für die Gastronomie voran. Die zuletzt wieder steigende Inflation (Dezember: +2,6%) und die damit verbundene Konsumzurückhaltung macht Gastwirten zu schaffen. Deshalb fordert die branchenübergreifende Denkfabrik Zukunft der Gastwelt DZG (u.a. Radeberger Gruppe, Gerolsteiner, Transgourmet, Metro, Unilever Food, DB) eine Neuauflage der Ende 2024 ausgelaufenen Inflationsausgleichsprämie, eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf EU-Mindestwert, ein Kosten-Moratorium bei der LKW-Maut bis 2029 sowie – trotz Ablehnung des Petitionsausschusses im Dezember – eine dauerhafte Umsatzsteuersenkung auf Speisen.

Der normale Wahnsinn geht also auch 2025 weiter. Und wir werden darüber berichten.

Ihr Outsider

Artikel aus INSIDE 967

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