Outsider: Safter suchen die Gewinnerkombi

Jonathan Ederer

Lieber INSIDER,

alkoholfreie Getränke boomen, ist klar, und gefühlt jede Woche wird ein neues Bier aus diesem Segment durch die lokalen Medien gejagt. Ganz zu schweigen von Colamix. Der Spezi-Surfer und Paulaner-CEO Jörg Biebernick posaunte jüngst stolz in den Linkedin-Äther, dass der Konzern in Deutschland erstmals mehr Alkoholfreies als reguläres Bier verkauft. 2024 war für den AfG-Markt ein gutes Jahr. Unterm Strich stand im LEH ein Absatzplus von 2,8%. Den größten Satz nach vorne machten erneut die Sportgetränke, die beim Umsatz Nielsen-Zahlen zufolge über 25% zulegten, beim Absatz 9%. Doch ein Selbstläufer ist das keineswegs, denn teures Zuckerwasser zu verkaufen hat es in sich. Vor allem, wenn mehrere Interessen im Spiel sind. Gut zu sehen ist das an der Pepsico-Marke Gatorade, die in Deutschland von Krombacher/Drinks & More vertrieben wird.

Krombacher nämlich ist unzufrieden mit der Performance, fühlt sich gebremst durch Pepsico. Vielleicht wird das ja jetzt besser, wenn Pepsico den Vertriebschef Deutschland zum Gatorade-Exklusiv-Mann umpolt. Als Werbekörper pushen soll die Kampagne fortan der deutsche Fußball-Nationalspieler Florian Wirtz. Mir persönlich erscheint das schlüssig: Anfang der 2000er, drückte ich mir mit meinen Kumpels auf dem Bolzplatz Powerade in den Rachen und wir fühlten uns wie die Profis. Coca-Cola hatte damals seine isotonisch-blaue Antwort auf Gatorade ebenfalls mit viel Sport-Sponsoring in dem Markt gekickt. Powerade ist heute mit rund 60 Mio Litern die klare Nummer eins. Jetzt träumen Pepsi und Krombacher womöglich von einer Retourkutsche.

Das Sorgenkind im AfG-Markt bleibt der Fruchtsaft. Bekanntlich peitschen knappe Rohstoffe und horrende Konzentratspreise die Verkaufspreise in die Höhe. Der Absatz brach um fast 12% ein. Die Hersteller füttern den Portfolio-Automaten und hoffen auf die richtige Kombi: Fruchtsaftanteil senken, Gebinde verkleinern oder das Sortiment mit Limos, Eistee, Weinschorlen und was auch immer immens aufblasen. Das wirkt manchmal so beliebig, als ob Valensina und Co. einfach die KI konsultiert hätten, um alles aufzulisten, was die hauseigene Technik im Stande ist herzustellen.

In unserer INSIDE Saftmarken-Hitliste hat sich meine Kollegin Petra Pötzl die Top-Performer in diesem umkämpften Markt genau angesehen. Bei Marktführer Eckes-Granini etwa führten die hohen Preise zu Auslistungen bei der Rewe. Und damit zu einem drastischen Absatzrutsch. Weiter Talfahrt also. Und die Gewinner-Kombi ist nicht in Sicht.

Ihr Outsider

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