Trinks: Trouble im Süden

Seit dem Einstieg der Rewe bei Trinks werden Logistiker nicht mehr danach ausgesucht, wer vor Ort am besten fahren kann. Sondern nach dem Gesellschafter. Für GFGH und Getränkeindustrie wird es teuer. Besonders für den Auslöser. Für Trinks. Im Süden stehen 70% des Absatzes im Feuer.

Bei vielen Einzelhändlern gingen mit dem Einstieg der Rewe (49,9975%) am 9. Januar 2024 die Ampeln für Trinks auf rot. Edeka und Kaufland haben sich inzwischen auf das Radeberger/Veltins-Joint Venture Deutsche Getränke Logistik DGL als präferierten Mehrweg-Lieferanten für die Zukunft festgelegt. Umgekehrt zieht die Rewe-Streckentochter LHV Mengen zu Trinks ab. So müssen u.a. Splendid Drinks, Weydringer oder Schenker im Osten Volumen an die Trinks-Standorte abgeben. Andere (u.a. Heurich) bleiben bei der Rewe am Ball.

Durch fehlende Mengen und teilweise krass vergrößerte Lieferradien verliert Trinks an Effizienz. Dabei waren die Zahlen zuvor schon schlecht (mithin ein Grund, warum Krombacher-Chef Bernhard Schadeberg zusammen mit Bitburger und Warsteiner einen neuen Investor an Bord nehmen wollte). Für neue Investitionen in ein effizienteres Geschäft sollte mehr Geld her. Insgesamt hat Trinks 2023 zwar ein positives Betriebsergebnis von rund 10 Mio Euro erwirtschaftet, doch das gelang nur, weil die hübsche Immobilie der geschlossenen Gastro-Niederlassung Berlin-Tempelhof einen „Veräußerungsgewinn von TEUR 19.866“ in die Trinks-Bilanz spülte. Für 2024 muss die Rewe-Führung ihren Genossen wohl noch schlechtere Daten vorlegen. Im Sommer hieß es, dass die Rewe den Logistiksatz je Kiste für Trinks um flotte 10 Cent erhöht habe, um die Zahlen ihrer neuen Halbtochter aufzuhübschen (INSIDE 956: “Brennpunkt Nord: Trinks, Rewe und Co”). Diese „Mutterliebe“ kann sich der Trinks-AR Vorsitzende Axel Bolten, praktischerweise zugleich Einkaufschef Getränke der Rewe Group, von den Herstellern als „höhere Logistikkosten“ zurückholen.

Zwei der drei größten Kunden auf der Kippe

Beim bilanziell eigenständigem Ableger Trinks Süd sah es noch schlechter aus als im 1,25 Mrd Euro Umsatz großen Kernunternehmen Trinks GmbH. Die Rendite lag bei -1%. Trinks Süd hat 2023 mit 324 Mio Euro Umsatz einen Fehlbetrag von 3,6 Mio Euro gebaut. Und es droht mehr Ungemach. Im Frühjahr nimmt der größte Kunde, die Edeka Südbayern, ihre zusammen über 250 Mio Euro teuren Mehrwegläger in Wallersdorf und Landsberg ans Netz. Zwar bleibt Trinks für Randsortimente und als Backup vorerst noch im Geschäft, auf Dauer wird das Volumen aber abgezogen. 

Und auch der zweitgrößte Kunde, die Orterer Gruppe, für die Trinks ein Netto-Volumen von über 100 Mio Euro fährt, orientiert sich offenbar neu. Offiziell wird nichts bestätigt, doch INSIDER berichten, dass sich Florian und Walter Orterer um neue Logistiklösungen bemühen. Nicht erst seit dem Rewe-Einstieg bei ihrem Hauptlieferanten Trinks.  Vor einigen Jahren schon hieß es in München, dass die Orterers den Aufbau einer eigenen Logistik für ihre GAM-Kette erwägen und deshalb um einen Kauf der AB Inbev-Tochter Münchner Getränkedienst buhlen würden. Doch das zerschlug sich.

Nun scheint sich auch ohne eigene Mehrweglogistik eine Alternative zu Trinks aufgetan zu haben. INSIDER behaupten, dass die Orterer-Märkte (der Vertrag mit Trinks Süd läuft bis Ende 2025) mittelfristig von Getränke Geins bedient werden könnten. Man habe sich bereits geeinigt. Eine Bestätigung war dazu bis Redaktionsschluss nicht einzuholen. 

Mit Orterer, dem zweitgrößten Kunden, ginge Trinks Süd ein weiteres Drittel des jetzigen Absatzes flöten. Das Mehrwegvolumen des drittgrößten Kunden, der Rewe, ist in Südbayern zu klein, um den topmodernen Trinks-Standort in Fürstenfeldbruck (mit der weltweit größten Sortieranlage) und das nagelneue Lager in Töging auszulasten. Neben Kaes (V-Markt) und diversen kleineren Fachhändlern bedient Trinks im Süden noch Kaufland.

False Flag: Kaufland-Outlets aus dem Edeka-Lager?

Doch auch um diesen Kunden gibt es Gerüchte. Spektakuläre sogar. Es klingt unvorstellbar, doch treibt der Mehrwegregen offenbar tief verfeindete Wettbewerber unter den selben Schirm.  Die DGL, so heißt es in Bayern, könnte als Lager-Manager in den neuen Hightech-Zentren der Edeka fungieren. Unter dieser False Flag würden dann, aus den Edeka-Lägern heraus, auch Kaufland-Märkte angefahren werden. Angeblich sei dieser pikante Schulterschluss ein Teil des von DGL-Boss Markus Rütters ausgehandelten Deals mit Edeka und Kaufland (hierzu: „Der Streckenkaiser“ und “Egerer/Trinks: Edeka-Challenge”). Drei Viertel des heutigen Getränkeumsatzes von Trinks Süd stehen bis 2026 auf der Kippe.

Der Abgang von Kunden war teilweise eingepreist. Jetzt müssen die angestrebten Maßnahmen noch schneller greifen. Die Rewe will Trinks offenbar nicht nur für Mehrweggetränke nutzen. Trinks Süd, so die Hoffnung in Fürstenfeldbruck, könnte auch andere Sortimente aus dem überlasteten Zentrallager der Rewe Süd in Eitting abziehen. Zwar würde sich das Trinks-Management weiterhin gerne als neutralen Dienstleister sehen (mit Lekkerland habe Rewe ja gezeigt, dass dies möglich sei), doch die Zukunftsperspektiven von Trinks liegen wohl eher in einem Einbau in die Struktur des Hauptgesellschafters. 

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