Ziemlich kurz nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hat der Insolvenzverwalter den Betrieb der niederbayerischen Gesellschaftsbrauerei Viechtach eingestellt. Ruhe kehrt deswegen nicht ein. Im Gegenteil.
Markus Stoppelkamp muss sich ziemlich sicher gewesen sein, dass bei der zuletzt noch inkl. AfG 15.000 hl großen Brauerei so rein gar nichts mehr zu retten gewesen sei. Sechs Wochen nach Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens (am 20.6.) – auf Anträge des Hauptzollamts Landshut als „antragstellende Gläubigerin“ und Brauerei-Gf Markus Grüßer als Gf hin – zog der Deggendorfer Rechtsanwalt der Brauerei im Hauptinsolvenzverfahren Ende Juli den Stecker. Wegen der „defizitären Lage kam aus Gründen des Gläubigerschutzes eine Fortführung des Betriebes über die Insolvenzeröffnung hinaus nicht in Betracht“, heißt es in Stoppelkamps nüchternem Fazit. Ob nach Betriebsschluss noch Werte wie etwaige Markenrechte veräußert wurden (und wenn ja, an wen), ließ Stoppelkamp bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Das Insolvenzverfahren sei „grundsätzlich ein nicht öffentliches Verfahren. Weitere Auskünfte werden daher derzeit nicht erteilt“, heißt es auf Anfrage von INSIDE. Dann bleiben halt Fragen offen. Zum Beispiel die nach den Viechtacher Marken.
Sehr kurz nach dem Betriebsende hatten örtliche Medien die „Familie Kemenyfy aus Sankt Englmar“ damit zitiert, man wolle die Marke bewahren, sie werde künftig in der Hofmark-Brauerei von Burkhart Cording hergestellt. Die Kemenyfys sind Inhaber einer in Regensburg ansässigen Kemco GmbH, die in den letzten Jahren mindestens 500.000 Euro in die Viechtacher Brauerei gesteckt hat und dafür am Ende mit 47% Minderheitsgesellschafterin war. Cording wiederum galt als aussichtsreicher Kandidat für die Viechtachter Brauerei resp. deren Marken, als die Vorbesitzer Michael Bielmeier und Rosemaria Kosina 2018 Käufer suchten. Am Ende obsiegten seinerzeit Grüßer und seine früheren Mitgesellschafter Dr. Christian Reidel und Martina Holzeder – mit dem Versprechen, nicht nur die Marke, sondern auch die Brauerei erhalten zu wollen.
Nur: Um welche Marken geht es jetzt? Bereits am 4. August 2024 registrierte Hofmark die Wort-Bild-Marke Vollbier Hell mit dem Logo der Gesellschaftsbrauerei Viechtach für sich – ein respektabel schneller Move. In der Vergangenheit wurden mal Marken auf die Brauerei angemeldet, mal hatte Grüßer welche zur BFMT Holding GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft rübergezogen. Ein undurchsichtiges Konglomerat.
Wie ohnehin ein offenkundig sehr zorniger Markus Grüßer unlängst in einem sehr langem Interview mit der örtlichen Presse so richtig los lederte: Er habe zu wenig Zeit bekommen, Investoren an Bord zu holen und Finanzierungszusagen einzulösen. Und Kemenyfy: Habe eine Zusage über weitere knapp 300.000 Euro nicht eingehalten. Nach dem Motto: Es hätte ja alles so schön werden können. Das sieht die Gegenseite vermutlich anders; intern werden jetzt die Säbel geschliffen; kaum vorstellbar, dass sowohl Kemenyfy wie auch Insolvenzverwalter und Hofmark-Chef die Vorwürfe auf sich sitzen lassen. Auch das Hauptzollamt dürfte noch von sich hören lassen ...
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