Mit knapp 500.000 hl ist Deutschland am Heimatmarkt Tschechien vorbei zum größten Markt der insgesamt rund zwei Mio hl großen tschechischen Staatsbrauerei aufgestiegen. In den jetzt stärker investiert wird. Zunächst überraschend ins Management.
Drei Monate ist es her, dass die tschechische Staatsbrauerei Budweiser Budvar die Führung umgebaut hat (INSIDE 953). Tschechien-Chef Zdenek Havlar bekam nach dem plötzlichen Abgang von Renata Pankova, die nach 20 jahren aus dem Amt gekickt wurde, auch die Verantwortung für das wichtigste Geschäft, den Export. Und schritt sofort zur Tat. Die Erfurter Tochter Budweiser Budvar Importgesellschaft tritt auf der Stelle, befand Havlar. Und verpflichtete einen neuen Länderchef. Der langjährige Carlsberg-Mann Caspar Schwarz griff zu. Ließ seinen erst sechs Monate zuvor begonnen Job als Deutschlandchef des Spritherstellers Sazerac Company sausen, um letzte Woche auf die Position des Vorsitzenden der Geschäftsführung mit den Ressorts Sales & Marketing zu hopsen.
Ohne Vorwarnung bekommt das langjährige Führungstandem plötzlich einen Boss in die Rikscha gesetzt.
Havlars Entscheidung wurde nicht lange angekündigt. Die Erfurter Führung musste schnell akzeptieren. Rüdiger Schleusner, seit 20 Jahren Chef von Budweiser Budvar, gibt den Vorsitz ab, um sich als Finanz- und HR-Gf um SAP zu kümmern, was Budweiser nach der Einführung in Tschechien bis 2025 auch in Deutschland implementieren will. Holger Sydow, seit 12 Jahren bei der Importgesellschaft mit starkem Track Record (mit ihm wurde der Deutschland-Absatz von 250.000 hl verdoppelt), bleibt weiterhin Geschäftsführer Vertrieb Handel, hat nun aber künftig Schwarz über sich.
Offenbar kein Problem. Caspar Schwarz, analytischer Pragmatiker mit Verkäufer-Gen, hat in Erfurt in den ersten Tagen Sympathien gewonnen.
Wie viel Potenzial steckt für Budweiser in der Gastronomie?
Schwarz soll das deutsche Geschäft weiter anschieben, wofür die chronisch knausrigen Tschechen nun auch in die Tasche greifen. Potenzial soll vor allem in der Gastro gehoben werden, die Schwarz zur Chefsache erklärt.
Mit zwei Männeken turnt Budweiser derzeit durch die deutsche Gastronomie. Immerhin konnte Sydow 2018 Carlsberg Deutschland als Vertriebspartner gewinnen (die zuvor Staropramen abgegeben hatten). Seither hat Carlsbergs Gastroboss Marc Kemper und sein fast 40-köpfiger Außendienst Budweiser (freilich als Ergänzungsmarke) im Sortimentskoffer. Parallel zur Kooperation mit Carlsberg (die kürzlich bis Anfang 2026 verlängert wurde) will Ex-Carlsberg-Mann Schwarz nun Budweisers eigene Gastro-Mannschaft aufbauen. Planstellen hat Havlar bereits bewilligt.
Sydow, der mit ebenso dünner Personaldecke, einer 12-köpfigen Truppe, im Handel auch nicht üppig aufgestellt ist, bleibt unberührt. Schwarz wird ihm mittelfristig nicht reinpfuschen. Man bewegt sich in einem schwierigen Umfeld. Böhmisches Bier hat in Deutschland zuletzt deutlich verloren. Marktführer Budweiser konnte zuletzt noch leicht zulegen, Pilsner Urquell tritt auf der Stelle. Heinekens Rückzug von Breznak, Krusovice und Zlatopramen (über 200.000 hl, die kurzerhand eingestellt wurden) zog den Bierimport aus Tschechien laut Statistischem Bundesamt zuletzt auf insgesamt 830.000 hl um eben jene 200.000 hl nach unten. Kein böhmisches Bier konnte profitieren. Da hat Havlar offenbar Sorge, dass sein wichtigster Markt abschmieren könnte.

