Einberufungs-Befehl für Tucher

Kurzer Prozess: Die Radeberger Gruppe beendet die Sonderrolle ihrer Tochter Tucher. Bis Ende des Jahres gehen alle Einheiten in der Konzernstruktur auf. Die Rolle als Logistiklager wird indessen aufgewertet. Als Radeberger-Rampe Süd-Ost übernimmt Nürnberg den Großteil des Volumens der Rampe Bischofsheim, die demnächst dicht gemacht wird.

Brau & Brunnen-Vorstand Michael  Hollmann hatte Tucher im Jahr 2003 von der Familie Inselkammer gekauft. Eigentlich nur, um die feindliche Übernahme durch die Radeberger Gruppe zu erschweren. Trotzdem ging B&B ein Jahr später bei Radeberger auf. Die Nürnberger „Poison Pill“ passte nicht so recht ins Konzernraster, behielt Teile der Selbstständigkeit, auch als der langjährige Gf Fred Höfler im Jahr 2019 durch Radebergers Allgäuer Brauhaus-Vorstand Heinz Christ ersetzt wurde. Das insgesamt 700.000 hl große Geschäft ist hochkomplex und verteilt sich auf die rückläufige kaum 200.000 hl große Hauptmarke Tucher,  auf Kloster Scheyern (80.000 hl) sowie Zirndorfer, Lederer, Hasen, Grüner, Hürner, Humbser und diverse Lohnaufträge für u.a. Netto und Norma. Dazu werden in der auf der Grenze zwischen Nürnberg und Fürth liegenden Brauerei auch Konzernmarken wie Binding und Henninger hergestellt bzw. abgefüllt (Jever). Vor Ort gibt es ein eigenes Management. An Christ berichteten nicht nur Verwaltungsleute, sondern auch Marketing-Direktor Kai Eschenbacher, ein Exportchef (Michael Lassauer), sowie mit Bernd Herrmann (Gastro) und Niels Greve (Handel) zwei veritable Vertriebsdirektoren mitsamt ihrer Teams.  

Damit wird bald Schluss sein. Im Laufe des Jahres loten Radeberges Handelschef Michael Keller und sein Gastro-Kollege Frank Bleckmann aus, wie die Tucher-Truppe integriert wird. Die Sonderrolle ist Geschichte. Ab 1.1. 2026 wird Tucher integrativer Teil des Konzerns.

Als solchem fallen der fränkischen Tochter auch neue Aufgaben zu. Radeberger strafft die Logistik und schließt (zwei Jahre nach der Schließung der Frankfurter Binding-Brauerei) die Konzernrampe in Bischofsheim bei Mainz. Dazu bleiben die regionalen Rampen an den Brauereistandorten (z.B. Stuttgart, Allgäu) unterstützend am Netz. Laut Radebergers Logistik-Chef Jens Berberich werden in der Nürnberger Drehscheibe jährlich 7,2 Mio Einheiten, verteilt auf 350 Artikel, umgeschlagen. Künftig soll „ungefähr das Anderthalbfache des bisherigen Volumens” gedreht werden. In Zukunft will der Biermarktführer mit nur noch drei großen Abholrampen operieren: Berlin für den Osten, Dortmund für Nord- und Westdeutschland sowie Nürnberg/Fürth für Süd und Ost.  

Share this article: