Der Einkaufsring der Deutschen Getränkemärkte (EKR) hat vergangenen Mittwoch in Frankfurt am Main beschlossen, drei Mitglieder zum Jahresende vor die Tür zu setzen.
In einer geheimen Abstimmung der Gesellschafter Orterer (Orterer, Benz, Fränky, Sobi, Streb), Getränke Hoffmann (Hoffmann, Getränke Huster, Trink & Spare), Geins (Bilgro, Sachsenland Trinkparadies), Heurich (Logo), Ahlers (Hol ab!), Markgrafen, Finkbeiner, Sagasser, Hörl, Fleischmann und EKR selbst (alle Gesellschaften halten je 4,76% am Einkaufsring) ging es zunächst um die generelle Frage, ob der EKR der kürzlich von Pro-Getränke-Boss Thorsten Schön und Georg Gorki neugegründeten Einkaufs- und Vermarktungsplattform Beverage Independence Group (BIG) beitreten soll. Dies wurde abgelehnt.
In einer weiteren anonymen Abstimmung ging es schließlich darum, ob BIG-Gesellschafter und -Mitglieder weiterhin EKR-Gesellschafter sein dürfen. Laut INSIDERN hat eine deutliche Mehrheit dafür abgestimmt, dass es gemäß der EKR-Satzung keine Doppelkonditionen geben darf. Somit müssen mit Ende Dezember Hörl und Sagasser, die als Top-Gesellschafter indirekt an BIG beteiligt sind, sowie Pro-Mitglied Getränke Fleischmann den Einkaufsring verlassen. Der Umsatzanteil der drei scheidenden Gesellschafter soll bei 5% der insgesamt ca. 1,6 Mrd Euro Umsatz liegen.
Es ist nicht das erste Mal in der knapp 40-jährigen EKR-Historie, dass Gesellschafter aus der Einkaufs- und Vermarktungskooperation austreten mussten. Im Jahr 2011 wurde es nicht geduldet, dass Axel Heidebrecht das gesamte Einkaufsmandat seiner 140 Getränkeland Heidebrecht-Märkte zur Für-Sie Vermarktungsgesellschaft GVG rüberschob. Der EKR, damals unter der Führung von Sepp Gail, verwies Heidebrecht aus dem Münchner Lobby-Verband. Dabei war EKR-Gesellschafter Heurich sogar Mitglied der ersten Stunde bei der Anfang 2009 an den Start gegangenen GVG. Heurich konnte jedoch versichern, nur fünf seiner Verhandlungsmandate seiner damals über 120 Abholmärkte an die Kölner abgetreten zu haben (INSIDE 638).
Für ein viel geringeres „Vergehen“ hatte es 2004 bereits Andreas Brügel getroffen. Weil er für seine Fachmarktkette Fristo in Regionen anderer EKR-Gesellschafter vordrang und in Berlin den Kollegen von Hoffmann in letzter Sekunde einen Standort wegschnappte, musste Brügel seine Koffer packen (INSIDE 464). Und das, obwohl Vater Wolfgang Brügel einst Gründungsmitglied vom EKR war.
Allerdings war A. Brügel schon früher bei den Gesellschaftern und EKR-Chef Gail in Ungnade gefallen, als er 1997 die Abrechnung seiner Märkte in die Hände der Edeka Nordbayern legte (INSIDE 298/299). Die (immerhin damals 20% des EKR-Umsatzes dicke) Kröte wurde einst noch geschluckt – Berlin brachte das Fass letztlich aber zum Überlaufen. Nun kommt es erstmals unter Gf Heiner Müller zum Ausschluss von Gesellschaftern.
Artikel aus INSIDE 955
