Überall in Deutschland berichten Gastronomie-Fachgroßhändler über zunehmende Ambitionen der Food-Zustelldienste.
Noch hat sich der Satz nicht geändert: „Hier finden Sie demnächst den Katalog unseres Getränkesortiments!“ heißt es auf der Webseite der GVS Group. Das stand dort schon, als die Metro Group, den rund 180 Mio Euro Umsatz großen Gastro-Lieferanten vor einem Jahr übernahm (INSIDE 977). Die auf Streckenbelieferung von Systemgastronomie wie Dean & David oder L‘Osteria ausgerichtete GVS wollte das Sortiment auf Getränke ausweiten. Die 2025 in Deutschland knapp sechs Mrd Euro Umsatz große Metro hegt ähnliche Interessen.
Die Nachfrage ist offenbar da: Gastronomen feilen an ihren Bestellstrukturen, mit sinkenden Biermengen wächst die Bereitschaft, beim Fleisch- oder Pommeslieferant auch Getränke zu bestellen. Zumal dort mit attraktiven Rabatten gelockt wird.
Schon einmal hatte die Metro vergeblich versucht, das Liefergeschäft auf Getränke auszuweiten (mit Trinks als Lieferant – INSIDE 595). Das schlug fehl, weshalb gutgläubige Verleger hoffen, dass es die Metro 15 Jahre später ebenfalls nicht schafft, Mehrweg-Getränke in ihr Geschäftsmodell zu implantieren.
Sündenfall Coke: Chefs Culinar
Definitiv weiter ist da der rund drei Mrd Umsatz große Citti Kiel-Ableger Chefs Culinar. Von Kiel bis Zusmarshausen unterhält Chefs Culinar neun Standorte, weitere folgen (ab Herbst Pilsach-Bayern). In allen Niederlassungen sind sogenannte „Fachberater Getränke“ beschäftigt. Schwerpunkt ist Spirituose und Wein. Doch klettert Chefs Culinar immer öfter über den Zaun und pflückt Umsätze im GFGH-Garten.
Ein erster Dammbruch fand bei der Hotelkette Maritim statt. Dort liefert Chefs Culinar seit einem Jahr die Produkte des größten GFGH-Lieferanten, Coca-Cola, Streckenhalter GDN bleibt nur der Rest. Im Ordersatz von Chefs Culinar ist Coke in allen Gebinden (0,2 und 0,33-l Glas, 1-l-PET) ein fester Bestandteil, aber auch andere Mehrweganbieter wie Rauch, Fritz oder Schweppes sind vertreten. Getränkeverleger wollen auch schon Bierkisten auf den Autos gesehen haben. Lediglich an Fassbier wagen sich die Zusteller nicht heran.
Proteste des GFGH bei Getränkeherstellern sind bislang verhallt. Stattdessen wächst bei Verlegern die Erkenntnis, dass die bisherige Dienstleistung nicht ausreicht. Der GFGH muss seine Sortimente erweitern. Auf andere Warenkategorien, aber auch auf Dienstleistungen. Die Ausgangslage ist nicht so schlecht: Der GFGH ist immer noch wichtigster Ansprechpartner für Gastronomen.
Diese Rolle als Gate-Keeper hat dereinst auch den Marktführer im Liefergeschäft, Transgourmet angelockt, der deshalb (gemeinsam mit Oetker) die teure Plattform Team Beverage betreibt. Der Mut, neue Geschäftsfelder zu erobern ist umgekehrt im unabhängigen GFGH eher schwach ausgeprägt.
