Outsider: Wo soll das noch hinführen?

Lieber INSIDER, 

als die Bierabsatzzahlen für Januar 2026 sichtbar wurden, kam mir – wie vermutlich vielen anderen – dieser reflexartige Gedanke: „Wo soll das noch hinführen?“ Minus 12,6% im Inland. Und der Februar, so hört man aus mehreren Ecken, fiel nicht viel besser aus – immerhin aus dem Fachhandel vernehme ich positive Signale, seit sich die Sonne wieder zeigt. Es bleibt ein Jahresauftakt, der selbst hartgesottene Marktbeobachter stutzen lässt. Wir befinden uns in der größten Bierkrise ever. Für den GFGH bedeutet das noch weniger Spielraum. Wenn 660.000 hl fehlen, fehlen dem Händler nicht einfach ein paar Umsätze. Es fehlen Touren, Stoppmengen, Deckungsbeiträge – und am Ende auch die Argumente, wie sich in dieser Struktur noch Geld verdienen lässt. Der GFGH lebt vom Alkohol, nicht vom Wasser.

Und während der Bierabsatz schrumpft, wird das Liefern teurer. Deutlich teurer. Der Nahost-Krieg treibt den Spritpreis hoch. Manch Verleger, der den Dieselfloater ausgesetzt hat, denkt mittlerweile wieder laut über die Reaktivierung desselben nach. Wohlwissend, wie schwer es ist, bei sinkenden Spritpreisen nicht doppelt viel wieder hergeben zu müssen. Einer sagte zu mir: „Wer jetzt seine Preise nicht im Griff hat, ist bis Jahresende weg.“

Und wer 2026 noch darüber diskutiert, ob Speiseöl oder Hygieneartikel „wirklich ins Sortiment passen“, läuft Gefahr, von Gastrogroßhändlern wie Chefs Culinar überholt zu werden. Die liefern längst alles, was ein Wirt braucht – inklusive Getränke. Für Gastronomen praktisch: eine Bestellung, eine Lieferung, eine Rechnung. Für den GFGH ein schleichender, aber konsequenter Verlust des Kerns. Der Wettbewerb kommt nicht mehr nur aus den eigenen Reihen. Die bittere Wahrheit: Der GFGH muss sich breiter aufstellen. Nicht als Mode, sondern als Überlebensstrategie. Mehr Sortiment, mehr Zusatzgeschäfte, mehr Stoppmenge pro Tour. Alles, was die Logistik dichter macht, ist ein Plus.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob 2026 „wieder besser wird“. Sondern wer 2026 überhaupt noch in der Lage sein wird, die Gastronomie zuverlässig zu beliefern. Und wer in diesem Jahr lernt, dass eine Bierpalette allein kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr trägt. Wer jetzt nicht in Bewegung kommt, wird bewegt. Von einem Markt, der sich gerade neu sortiert. Ohne Rücksicht darauf, wer „schon immer“ dabei war. 

Ihr Outsider 

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