Mit „vielen offenen Baustellen“ kennt sich der chronisch davon übermüdete Berliner ebenso gut aus wie die meisten Bahn-Pendler. Auch im österreichischen Villach kann man ein Lied davon singen, seit der Oswaldibergtunnel auf der Tauernautobahn A10 gebaut wurde, der den Verkehr um die Stadt herumleitet. Doch auch der Wiener Justizpalast hat seine Probleme mit offenen Baustellen, auch wenn die Straßen nach Villach, ins schöne Puntigam, nach Schladming oder nach Wieselburg meistens frei sind, jedenfalls außerhalb der Stoßzeiten.
Diese Woche wurde in Wien der Kartellprozess gegen die gut fünf Mio hl große Brau Union Österreich AG (u.a. Gösser, Zipfer, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Fohrenburger, Villacher) fortgesetzt. Die Richterin sprach am dritten Verhandlungstag, laut Der Standard, von „vielen offenen Baustellen“, die, man ahnt es, nur sprichwörtlich mit „baggern“, „Kies“ und „zementieren“ zu tun haben. Bei dem Prozess geht es um Marktabgrenzung und die Frage, ob Heineken als Muttergesellschaft der Brau Union kontrollierenden Einfluss auf diese ausübt – eine Frage, die entscheidend sein könnte für die Bemessung einer möglichen Geldbuße, die bis zu 10% des Konzernumsatzes betragen könnte. Bei Heineken wären das theoretisch über drei Mrd Euro.
Hat die Brau Union tatsächlich, wie von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) suggeriert, ihre marktbeherrschende Stellung systematisch missbraucht? Laut BWB wurden Getränkehändler angebaggert, ausschließlich Produkte der Brau Union zu vertreiben. Bei Zuwiderhandlung habe der Konzern mit Lieferstopp und Direktbelieferung der Kunden gedroht. Zementierte die Brau Union – mit einem Marktanteil von rund 50% das größte Brauereiunternehmen Österreichs – so ihre Vormachtstellung?
Im Verfahren betonen Vertreter der Brau Union, dass die Sortimentserweiterung auf Kundenwünsche zurückzuführen sei. Heineken bestreitet jede operative Einflussnahme auf Vertrieb und Marketing. Was die offenen Baustellen betrifft: Für unsere eigenen stehen immer ein paar Maurerhalbe im Kühlschrank. VillacherFreilich war aufgrund von Kundenwünschen bisher nicht dabei. Aber seit am Bau kein Alkohol mehr getrunken wird ...
