Das dichte deutsche Tankstellennetz wird (nicht nur wegen der Elektrisierung) umgekrempelt. Total wurde verkauft, Jet wird folgen. Gute Botschaft für Getränkehersteller und die in beiden Fällen über Team Beverage beliefernden Fachgroßhändler: Die (potenziellen) Käufer haben es vor allem auf das Geschäft in den Shops abgesehen.
Der Conveniencemarkt gilt als eines der wenigen Wachstumssegmente. Der Umsatz in Convenience-Stores liegt laut Marktforscher bei ca. 10,5 Mrd Euro, für 2027 werden knapp 12 Mrd Euro prognostiziert, rund ein Drittel davon entfällt auf Getränke (Einweg/Mehrweg). Nachdem die große Hoffnung Quick Commerce mit dem Ende von Getir/Gorillas endgültig die Strahlkraft verloren hat, kehren stationäre Shops auf den Speiseplan der Investoren zurück. Im Januar haben die Franzosen von Total Energies ihre 1.200 Tankstellen in Deutschland und Holland für 3,4 Mrd Euro an den kanadischen Retailer Alimentation Couche-Tard verkauft, der die Tanken in Convenience-Stores umbauen will. Den Global Player 7Eleven zieht es ebenfalls auf den deutschen Markt. Man suche Franchiser, heißt es.
Getrieben vom Hedgefonds Elliott Investment Management muss der US-amerikanische Mineralölkonzern Phillips 66 Kasse machen und hat deshalb den Verkauf der Jet Tankstellen Deutschland GmbH mitsamt 680 Jet-Stationen angekündigt und auch schon ein Preisschild drangehängt. Einschließlich der 150 österreichischen Jet-Tankstellen sollen drei Milliarden Dollar fließen.
Die Shops an den Jet-Tankstellen werden aktuell in Kooperation mit Edeka betrieben, bzw. mit Edekas Convenience-Format Spar Express. Die Mehrweggetränke werden wie auch bei Total von Team Beverage und deren GFGH-Partnern gefahren. Die Oetker/Transgourmet-Tochter befindet sich als Lieferpartner des Rewe-Ablegers Lekkerland (der Vertrag wurde kürzlich verlängert) in der Pole Position für Mehrweg. Neue Investoren in der Tankstellenwelt könnten die 85 Mio Euro Lieferumsatz der Team Beverage-Schäfchen eher noch beleben.
Artikel aus Heft 950
