Mirgels Mega-Aufgabe bei Pernod

Sprit-Koryphäe: Marc Mirgel

Branchenrückkehrer Marc Mirgel übernimmt das Steuer bei Pernod Ricard Deutschland. Er steht vor einer Herkulesaufgabe.

Marc Mirgel wird Commercial Director und damit oberster Verkaufs- und Trademarketingchef von Pernod Ricard Deutschland (INSIDE Hot-Shot vom 8.7.). Mirgel kehrt in die Spirituosenbranche zurück. Vor seiner letzten kurzen  Station bei Lavazza und zuvor Barebell Foods (Vitamin Well) stand Mirgel 24 Jahre bei Diageo unter Vertrag.

Pernod wurde mit Marc Mirgel ein zweites Mal bei Lavazza fündig. Auch sein Vorgänger Holger Möller kam vom Kaffeeröster. Spritnovize Möller konnte sich nur ein Jahr an der Spitze von PRD behaupten. Pernod Ricard-Nordeuropachef Julien Hemard war diesmal laut INSIDERN bei der Suche des Nachfolgers die Spriterfahrung wichtig.

Auf Mirgel warten herausfordernde Aufgaben. Vor allem in der Gastronomie. Im On-Trade (Gastronomie, Fachhandel) ist Pernod Ricard weiterhin mit einem 65-köpfigen Team unterwegs. Dennoch ist die Bedeutung, die das Unternehmen einst im On-Trade hatte, spürbar zurückgegangen, sagen Kölner INSIDER. Pernod verliert Objekte in der Gastronomie. Das gab es so vorher nicht. Viele Vertriebler sind nach dem Abgang von Thomas Drossé, heute Paulaner, gegangen. Auch aktuell sollen erfahrene Mitarbeiter auf gepackten Koffern sitzen. Und das sei neu. Der Fokus scheint sich zunehmend in Richtung LEH zu verschieben. Dort bauen die Franzosen ihre Markenpräsenz aggressiv aus: Ramazzotti (ursprünglich ein Bitter) ist jetzt auch als Limoncello erhältlich. Der Überflieger der letzten Jahre, Lillet, taucht in Aktionen (etwa bei Edeka) zu Preisen unter acht Euro auf. Viel Gewinn lässt sich damit kaum noch erzielen.

Das Sortiment von Pernod Ricard wurde äußerst breit gefächert. Insbesondere bei Gin – von Beefeater über Malfy bis Monkey 47. Die Zahlen sind nicht gut, die Organisation steht unter Druck. Ein INSIDER berichtet: „Es knirscht im Gebälk.“ Zuletzt (2023/24) wurde für die in Köln beheimatete Deutschland-Division ein Umsatz von inkl. Branntweinsteuer 650 Mio Euro bei 47 Mio Liter Absatz berichtet. Die Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr, das am 30.6. endet gibt es noch nicht. Erwartet und geplant worden waren leicht steigende Ab- und Umsätze.

Rotstift in Gold und Crystal

Es knirscht bei Pernod aber nicht nur in Deutschland: Der Konzern hat in den vergangenen Jahren an der Börse massiv an Wert verloren. Vom Höchststand im Frühjahr 2023 von über 200 Euro sind zuletzt nicht mal mehr 100 Euro je Aktie geblieben. Probleme bereitet weiterhin der chinesische Markt. Und das trotz bereits eingeleiteter Gegenmaßnahmen. Eine von Konzernchef Alexandre Ricard angekündigte Neustrukturierung sorgt intern für Unruhe. Jedoch bislang nicht für einen positiven Effekt auf den Aktienkurs, der seit zwei Jahren kontinuierlich fällt. Unter dem Projektnamen „Tomorrow 2“ werden zunächst die Konzernmarken neu geordnet.

So werden die Marken künftig in zwei Kategorien eingeteilt: „Gold“ und „Crystal“. Zur neuen Division „Gold“ gehören unter anderem die Champagner-Marken des Konzerns: Martell Cognac und Jameson Irish Whiskey. „Crystal“ indessen umfasst u.a. Havana Club, Absolut Vodka und auch Aperitifs. Anders als bisher werden die Marken administrativ zusammengefasst. Und das bedeutet vor allem: personelle Einschnitte. Pernod Ricard kündigt Straffungen an, die im letzten Quartal 2025 sichtbar werden sollen.

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