Kapazitäten nicht ausgelastet, Effizienzen sinken, Kosten steigen: Wem das bekannt vorkommt, der sollte in diesen Tagen mal mit Niklas Nordmann telefonieren. Der Geschäftsführer der Hamburger Ratsherrn Brauerei lässt das Flaschenbier ab März bei der rund 100 km entfernten Dithmarscher Privatbrauerei an der Nordseeküste abfüllen.
Die 2012 von Oliver Nordmann gegründete und heute von seinem Sohn Niklas geführte Slow-Brewing-Brauerei Ratsherrn hatte erst 2020 eine eigene Flaschenabfüllung in Hamburg-Billstedt, acht Kilometer östlich des Brauquartiers, in Betrieb genommen (zuvor füllte Lütvogt im rund 190 km von Hamburg entfernten Wagenfeld das Flaschenbier ab). Nun spart sich Nordmann fünf Mitarbeiter sowie den Unterhalt der auf einem gemieteten Grundstück in Billstedt betriebenen Anlage. Aus dem AfG-Bereich haben bereits einige Interessenten für einen Kauf der Anlage angeklopft.
Ratsherrn-Fassbiere werden weiterhin vollständig im Brauquartier in den Schanzenhöfen abgefüllt, das Niklas Nordmann noch stärker als Erlebnisbrauerei im Bewusstsein der Hamburger verankern will. Die nüchterne Analyse des 32-Jährigen lautet: „In einem rückläufigen Markt sollten mittelständische Unternehmen bestehende Kapazitäten gemeinsam nutzen.“
Ratsherrn setzt den Fokus auf Gastronomie: Mehr als die Hälfte des Absatzes stammt inzwischen wieder aus diesem Bereich. Die Brauerei produziert gut 40.000 hl Bier pro Jahr (vor Corona waren es rund 60.000 hl).
Auch für Dithmarscher-Geschäftsführer Norbert Lucks ist die Kooperation mit Niklas Nordmann Neuland. Bislang war Dithmarscher nicht als Dienstleister aktiv. Die Brauerei verfügt über ein brandneues Abfüll- und Logistikzentrum am Stadtrand von Marne, in das die Abfüllung Ende 2024 verlagert wurde und das über eine einen Kilometer lange unterirdische Pipeline mit der Brauerei im Stadtzentrum verbunden ist.
Die rund 190.000 hl große Brauerei beliefert den GFGH selbst und hat praktischerweise dasselbe Vertriebsgebiet wie Ratsherrn. Künftig werden die Ratsherrn-Kunden direkt von der Dithmarscher Zustelllogistik bedient. Und Lucks hat damit nicht nur seine neue Anlage besser ausgelastet, sondern auch seine Fahrzeuge.

