Ende April lehnten sich die meisten deutschen Lobbyisten in Sachen Mehrweg-Quote entspannt zurück. Das Schlimmste war abgewendet, EU-Parlament, -Rat und -Kommission konnten oder wollten sich nicht darauf einigen, die Mitgliedsstaaten pauschal zu einer Mehrwegangebotsquote zu verdonnern. Irgendwie ist eine solche Quote zwar definiert (10% ab 2030), es gibt aber so viele Schlupflöcher (Recyclingquote, „Lex Lidl“), dass es im härtesten Fall noch Aldi treffen würde.
In Österreich scherte man sich nicht um das endlose EU-Gezerre. Ein neues Bundesabfallwirtschaftsgesetz „forciert“, so heißt es dort, „die Mehrweginnovationen“. Und das seit Anfang Januar: Seither müssen mindestens 35% der Verkaufsstellen des „Letztvertreibers“, die über 400 qm groß sind, mindestens je 15% des Bieres und der Wässer und mindestens je 10% bei Saft, AfG und Milch in Mehrweg angeboten werden. Ab 1. Januar 2025 steigt der Anteil der Verkaufsstellen auf 90%, Bis spätestens 2025 gilt in allen Verkaufsstellen über 400 qm die Quote. Großhandel, C&C, Baumärkte, Drogerien, Tankstellen und Brauereishops sind ausgenommen.
Der Handel hatte sich frühzeitig darauf eingestellt. In Österreich waren die ersten 130 Outlets der Aldi-Tochter Hofer schon im Sommer vergangenen Jahres mit Mehrweg-Rücknahmeautomaten (von Tomra) bestückt (INSIDE 929). Spar wirbt offensiv mit dem „größten Mehrweg-Getränkeangebot im flächendeckenden österreichischen Lebensmittelhandel“. Auch Lidl baut staatlich geförderte Rücknahmesysteme auf.
Artikel aus Heft 950
