Lieber INSIDER,
was für schwache Nerven war der Getränkemarkt noch nie. Umso mehr genossen die Händler und Fördermitglieder des Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels den friedlichen Abend im lauschigen Garten der Bornheimer Äppelwoi-Gaststätte Zum Rad, wo bei Gespritztem und Zötler Bier über die Zukunft des Gewerbes sinniert wurde.
Eine Yougov-Studie sorgte für etwas schlechte Laune, Fachmärkte hätten viel zu wenig junge Kunden. Der Umsatzkrösus im Garten, Getränke Hoffmann-Chef Mario Benedikt (645 Mio Euro, 585 Outlets), vermochte zu relativieren: Der Fachmarktkäufer sei schon immer etwas älter gewesen, auch vor 25 Jahren hätte die Quote von jüngeren Kundinnen sehr niedrig gelegen.
Viel mehr Sorge bereitete den anwesenden Händlern (und Herstellern) die Preisattacken des LEH. Der Aktionsanteil der Markenpils-Kisten ist auf 80% geklettert. Da lässt sich mit dünnen Fachhandelskonditionen nicht gegenhalten. Die Preiserhöhungen der Industrie (Veltins folgt wie erwartet Krombacher im Oktober mit 6,50/hl Flasche und fetten 14 Euro/hl Fass) führen nur zu einer höheren Bedeutung der zu verhandelnden Abschläge. Und da ist der LEH so haushoch überlegen, dass laut INSIDERN selbst in der Radeberger-Hemisphäre darüber nachgedacht werden soll, ob man die Top-Lieferanten nicht besser von den Profis verhandeln lässt, z.B. von DGL-Partner Edeka. Ob Benedikt diesbezüglich bei der anschließenden Sitzung des Einkaufsrings Andeutungen gemacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die war (leider) geheim.
Raus aus dem Getränkegeschäft will Günter Thiel. Der stinkreiche Wahlschweizer mit Firmensitz in Luxemburg hat sein GFGH-Abenteuer abgehakt. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Die besten Assets, die Immobilien, sind herausgelöst, operativ performen alle zusammengekauften Standorte (darunter waren durchaus prachtvolle Namen) schlechter denn je. Einzelne Filetstückchen konnte er jetzt noch veräußern. Vermutlich wird sich auch für Satow/Rostock, Chemnitz oder die Getränkewelt-Märkte noch jemand finden, und der Rest wird irgendwie verklappt. Dann sind die sieben Jahre Thiel in der Branche beendet. Beileibe eines der dunkleren Kapitel.
Eine weitaus schönere Geschichte schreibt indessen Werner Brombach, sogar über den Epilog hinaus. Der 85-Jährige schiebt seine Brauerei in eine Stiftung. Damit sein Erdinger Weißbräu Bestand hat und die heimelige Erdinger-Welt nicht aus den Fugen gerät. Ohne Frieden ist alles nichts hat Willy Brandt einmal gesagt. Oh Gott, habe ich jetzt tatsächlich einen Sozi im Zusammenhang mit Erdinger zitiert? Entschuldigung, Herr Brombach! Kommt nie wieder vor!
Ihr Outsider

