Lieber INSIDER,
gute Nachrichten für Brlo. Wenigstens in Sachen Verkaufspreis. Denn die AfD hat bei der Bundestagswahl mit (vorläufig) 20,8% ziemlich genau so viele Stimmen bekommen, wie von Yougov prognostiziert. Und von diesem Wert ausgehend wollte die Berliner Craft-Brauerei ihre Fassbierpreise senken, sollte die AfD dann doch schlechter abschneiden.
Daraus wurde also nichts. Brlo änderte den Plan – spendet nun 20,8% des in der laufenden Woche erwirtschafteten Umsatzes. Eine der gelungeneren Marketingaktion in der jüngsten Zeit in der Branche: Wenigstens für ein paar Tage war eine 15.000 hl-Bude medial in aller Munde – und sie musste dafür weder auf dem Mond landen noch in einen Kühlschrank steigen.
Politisch motivierte Aktionen sind hierzulande gut kalkulierbar: Kampagnen gegen Rechts sind bislang aus unternehmerischer Sicht vor allem in Großstädten kaum riskant. Und das weiß nicht nur Brlo, sondern auch Fritz-Kola, das mit „Wachbleiben für die Demokratie“ wirbt. Noch nicht riskant, möchte man mit Blick über den Atlantik sagen. Denn dort, in den USA, schrauben Konzerne aktuell an ihrer politischen Außen- (und Innen-)wirkung. Allen voran Tech-Giganten wie der Facebook-Konzern Meta, der aufgrund des Wandels in der politischen Landschaft Anfang Januar 2025 in vorauseilendem Gehorsam der Trump-Regierung gegenüber Maßnahmen für Chancengleichheit und Diversität eingedampft hatte. Oder JP Morgan, das die Klimaallianz verlässt.
Dass in Deutschland selbst in einer Merz-Regierung und ohne Robert Habeck keine Ami-Verhältnisse herrschen werden, das regelt zum Beispiel der Klimaschutzplan 2050. Dennoch könnten sich Unternehmen in einem Gewissenskonflikt wiederfinden, sollte sich die politische Landschaft inklusive wirtschaftlicher Einflusssphären verändern. Denn dann wäre die politische Agenda mit weniger Risiko womöglich nicht mehr diejenige, deren Werte die Entscheider tatsächlich vertreten. Auch in unserer Branche könnten es dann die global operierenden Konzerne sein, die hier die Speerspitze bilden. Und es könnte nur eine Frage der Zeit sein, bis etwa Coca-Cola ideologisch einknickt, einer der Konzerne, der derzeit grob geschliffen wird von Trumps rigoroser Zollpolitik.
So sinnvoll solche Bedeutungszugeständnisse an das Marketing auch sind: Den essenziellen Anteil des Absatzgeschäfts leistet immer noch der Vertrieb. Und hier setzen einheimische Branchengrößen auf Kontinuität. Was ja für den Erhalt von Werten spricht. Und das ist ein gutes Zeichen in politisch unruhigen Zeiten.
Ihr Outsider

