Rotkäppchens neue Welt

Wiesners Exekutorin: Katharina Windeknecht

Bei der viele Jahre erfolgsverwöhnten Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm (Gesamtumsatz inkl. Sekt- und Alkoholsteuer: 1,28 Mrd. Euro) sind Einschnitte nötig. Dazu installiert die seit gut 100 Tagen regierende Chefin eigens eine Transformationsmanagerin.

Transformation heißt Umwandlung, Umstellung oder Umgestaltung. Bei Rotkäppchen-Mumm, jahrelang auf der Erfolgspur und schier uneinholbar im deutschen Sektmarkt, wird es höchste Zeit. Die Ertragskraft der Gruppe (zu der auch der Vermarkter Eggers & Franke und eine volumenstarke Spirituosen-Sparte gehören) hat merklich nachgelassen (INSIDE 971). „Es wurde in den vergangenen sechs bis sieben Jahren versäumt, Vorsorge zu treffen aus der Position der Stärke“, analysiert ein INSIDER. Vor acht Jahren erzielte Rotkäppchen noch ein Ergebnis von fast 40 Mio Euro. Im vorletzten Jahr war es auf rund 15 Mio Euro gesunken und nach geräuschloser Personalreduktion wieder auf rund 18 Mio Euro gestiegen.

Dabei soll es nicht bleiben, haben die Gesellschafter beschlossen. Den Wandel soll die im April eingestellte neue Nummer 1 der Firma, Silvia Wiesner, wuppen. Sie ist durch die Unilever-Schule gegangen. Sekt- und Spirituosenerfahrung hat sie nicht. Wiesner war in den vergangenen Monaten viel unterwegs, wissen INSIDER. Und habe, so heißt es, nach ihrer Analyse im Rahmen der Schnuppertour eine klare Strategie: Rationalisieren und die Konzentration auf Marken, die etwas bringen.

Eine erste Duftmarke setzte Wiesner bei Eggers & Franke in Bremen (INSIDE 979). Dort hat sie Jens Gardthausen verabschiedet. Ein erster Schritt der Rationalisierung. Ein zwischenzeitlich per Headhunter gesuchter Vertriebschef für Bremen wurde gefunden, aber dann doch nicht eingestellt. Es wird eisern gespart. INSIDER bezweifeln, dass Gardthausens Posten wieder besetzt wird. Auch im Sektgeschäft will Wiesner neu sortieren. Die Hauptmarke Rotkäppchen, einige Zeit etwas preisstabiler, rutscht in Aktionen wieder nach unten. Belebung ist dringend erforderlich. Zuletzt hat die fleißige Linkedin-Posterin sich von ihren vielen Kontakten erstmal Unterstützung für ihren Umzug von Hamburg nach Rhein-Main eingeholt. Es war dieselbe Woche, in der bekannt wurde, dass Katharina Windeknecht zurückkommt. Windeknecht, von Haus aus Bankerin, erfahren in Zu- und Verkäufen und dann im Personalbereich unterwegs, hatte ehedem für Rotkäppchen-Mumm den Zukauf der Prosecco-Marke Ruggeri begleitet.

2024 verließ sie die Firma, ging als Personalfrau zum Obstkonserven-Vermarkter Andros. Jetzt kehrt sie zurück. Auch Windeknecht hat Wiesner blumig via Linkedin begrüßt und sich wohlwollende Kommentare zu dem Schritt abgeholt. Sie ist nun Wiesners Exekutorin (oder die böse Wölfin), um Rotkäppchen-Mumm zukunftsfähig zu machen. Es gibt einige Stellhebel.

Bei Eggers & Franke etwa wuchs vor allem das Spirituosen-Portfolio, der italienische Edelwinzer Frescobaldi ging. Fernet Branca kam. Wirklich profitabel ist im ausgeuferten Portfolio wenig. Graf Branca ist bekannt dafür, viel zu wollen und wenig bis nichts dafür zu geben. INSIDER rechnen damit, dass die Strukturen – noch gibt es für die einzelnen Handelskanäle eigenständige Gesellschaften – so nicht bestehen bleiben.

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