Die Gastro-Strecken sind verkauft, für die großen Logistikstandorte gibt es einen exklusiven Interessenten, doch auf dem Rest droht Günter Thiel sitzen zu bleiben.
Splendid Drinks-Inhaber Günter Thiel sucht offenbar den Exit aus dem GFGH-Abenteuer. 2017 hatte der Logistik-Unternehmer begonnen, GFGHs zu kaufen, aus denen er eine flächendeckende Distributionsmaschine formen wollte. Doch die Pläne scheiterten im Detail. Thiels Problem: Es gibt keine Interessenten für das gesamte Konglomerat. Er muss scheibchenweise vorgehen. Letzte Woche ging das Gastro-Streckengeschäft über die Bühne.
Die Oetker/Transgourmet-Tochter Team Beverage hatte vor zwei Jahren schon mal unterschriftsreife Verträge vorgelegt, doch Thiel, 73, der die großen Deals selbst verhandelt, zog im letzten Moment zurück. Jetzt hat es geklappt. Team Beverage-Chef Dr. Thomas Spiegel zieht den knapp 20 Mio Euro Streckenumsatz in seine Team Beverage Solution, die somit auf 110 Mio Euro Abrechnungsumsatz wächst. Thiel wurde zahm: Der Kaufpreis für die Kundenverträge (u.a. Steigenberger und – noch – Tristar Hotels) wurde laut INSIDERN auf Basis des Deckungsbeitrags eines Jahres definiert. Schon zuvor hatten Splendids Key Accounter Peer Longerich mitsamt Mitarbeiterin Lea Borchert ihre Arbeitsverträge bei Solution-Gf Jörn Bastian unterschrieben (INSIDE 973). Vor Ort ändert sich wenig, die meisten Kunden werden von den selben GFGHs wie bisher angefahren.
Schon in den nächsten Tagen könnte der nächste Deal folgen. Die ebenfalls zur Oetker-Hemisphäre gehörende DGL will offenbar zwei Standorte übernehmen (u.a. Geesthacht). Bei der DGL könnte auch das Management aufgefangen werden. Angeblich soll Splendids HR-Geschäftsführerin Corinna Edgar andocken, und eines Tages wohl auch der kürzlich von Splendid geflohene Vertriebs- und Einkaufs-Gf Christian Daniels. Definitiv weg ist auch Splendids Gastro-RVD Ost Mario Gorks, der Ende Juni ausscheidet.
Poison Pills von Carlsberg
Für andere, zuvor von Marktbeobachtern als werthaltig angesehene Assets gibt es noch keine Lösungen. Weder für die knapp 60 Mio Euro Umsatz große gehandelte Fachmarktschiene Getränkewelt noch für die vermeintlichen Top-GFGHs im Norden.
Krombacher und Radeberger galten als hoch interessiert an den Gastro-Standorten Grömitz und Hamburg, den früheren GFGHs Esling und Göttsche. Doch das Feuer ist jetzt erloschen, woran Hauptlieferant Carlsberg nicht ganz unschuldig ist. Um die Brauer-Konkurrenten fern zu halten, ziehen die Dänen die wichtigsten Objekte (das Fußballstadion von St. Pauli und die Barclays Arena) zu u.a. Beckröge ab.
Es könnte also sein, dass Thiel auf mehr Splendid-Restanten als gedacht sitzen bleibt. INSIDER unken dennoch, dass der schwerreiche Wahlschweizer das Projekt Splendid ohne großes Minus abschließt. Bei allen Übernahmen hatte Thiel als erstes die Immobilen rausgezogen und teuer verkauft.
Anm. d. Red. In einer früheren Version dieses Berichts hieß es, dass Achim und Udo Pfeifer einen Prozess gegen Thiel verloren hätten, wo es um die Zahlung von bis zu 25 Mio Euro für die restlichen Anteile an Getränke Pfeifer gegangen sei. Tatsächlich hat das OLG (unabhängig von der Höhe der Zahlung) für die Pfeifers entschieden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

