Splendids Endgame

Strecken-Stricker: Markus Rütters

Günter Thiel ist bei der Zerschlagung seines seit 2017 für viel Geld zusammengekauften Sammelsuriums (wie in der letzten INSIDE-Ausgabe – „Stotter-Exit“ – angekündigt) weiter voran gekommen. Splendid Drinks gibt die vier besten Standorte ab, was mit dem verbliebenen Rest passiert, ist unklar. Die Käufer DGL und Krombacher indessen senden mit den Übernahmen eine eindeutige Botschaft, sie wollen eine tragende Rolle in der GFGH-Konsolidierung spielen.

Die Gastro-GFGHs Splendid Hamburg (vormals Goettsche Getränke) und Splendid Grömitz (vormals Getränke Esling) wollte Günter Thiel nur als Paket abgeben und rief dafür laut INSIDERN auch einen stolzen siebenstelligen Betrag auf. Damit waren unabhängige GFGHs wie Beckröge, Ahlers, Kirchhoff oder Bohnhoff schnell raus. Grömitz an der Ostsee zwischen Fehmarn und Timmendorfer Strand gelegen, gilt als gesunder Gastroverlag. Goettsche hingegen, früher mal die No. 1 in Hamburg, hat die besten Zeiten lange hinter sich. Zuletzt hatte Carlsberg (Astra/Holsten) noch zwei der mit Abstand wichtigsten Kunden (Millerntor-Stadion und Barclays-Arena) zu Beckröge abgezogen. Immerhin das Volksparkstadion (König-Pilsener) ist geblieben.

Und so blieb die Krombacher Gruppe bzw. ihre GFGH-Sparte GMS Getränke & Mehr Servicegesellschaft mbH übrig, die nun die beiden Standorte mit Mann und Maus übernimmt. Krombacher hatte in den letzten Jahren in Hamburg bereits die GFGHs Prey und Schweim geschluckt, an der Ostküste ist Krombachers GMS-Manager Frank Jungk bei Burmeister-Lübeck und Fohsack-Dassow aktiv. Da können nun Synergien gehoben werden. Doch schickt Krombacher-Chef Bernhard Schadeberg mit den Splendid-Übernahmen auch ein Signal in den Markt: Er wird weiter in eigene Gastro-GFGH-Strukturen investieren. Ein Metier, in dem auf Herstellerseite zuletzt nur noch die Radeberger Gruppe (Drinkport) expansiv unterwegs war. Die hat Schadeberg in Hamburg und Grömitz nun ausgestochen.

Interessiert könnte Krombacher auch am Standort von Göttsche in der Boschstraße in Altona sein. Nur wenige Meter weiter befindet sich die sehr beengte Niederlassung von Trinks. Der Großlogistiker, an dem Krombacher eine Minderheitsbeteiligung hält (16,67%) hält, hatte immer wieder mal Erweiterungspläne für Hamburg. Doch Flächen sind rar.

DGL fischt Geesthacht und Querfurt

Das weiß auch Trinks-Konkurrent DGL, der sich den Logistik-Stützpunkt Geesthacht aus Thiels Splendid-Masse herausgefischt hat. Der eher veraltete und auf zwei durch eine Straße getrennte Grundstücke verteilte frühere Nordic/Quandt-Betrieb ist für die Mehrweg-Versorgung von Hamburg unabdingbar. Mit dem Commitment von Edeka und Kaufland im Rücken (die sich langfristig auf die DGL als Mehrweg-Logistiker festgelegt haben) strickt DGL-Boss Markus Rütters weiter an der nationalen Abdeckung. Neben Geesthacht kauft die Radeberger/Veltins-Tochter deshalb auch Splendid-Querfurt (vormals Solid) in Sachsen-Anhalt. An beiden Standorten fährt Splendid hauptsächlich Edeka-Umsätze und beide hingen schon am DGL-Haken. Einen allzu dicken Kaufpreis dürfte Thiel deshalb nicht kassiert haben. Beide Deals stehen noch unter Vorbehalt. Zuerst muss das Kartellamt zustimmen.

Wie es für die übrigen „Restanten” des Splendid-Imperiums weitergeht, ist nicht entschieden. Thiels GFGH-Abenteuer ist noch nicht beendet. 2017 hatte der Logistik-Unternehmer begonnen, GFGHs zu kaufen, aus denen er eine flächendeckende Distributionsmaschine formen wollte. Doch die Pläne scheiterten im Detail. Immerhin für die knapp 60 Mio Euro Umsatz große Fachmarktschiene Getränkewelt sollen Gespräche mit u.a. Waldhoff, Getränke Hoffmann (Radeberger) und Geins laufen. Das Splendid-Management orientiert sich um. Nach Gf Christian Daniels soll laut INSIDERN auch der erst vor einem guten Jahr von Waldhoff gekommene Vertriebschef Andreas Blume auf gepackten Koffern sitzen.

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