Ladenöffnungszeiten und Mangel an geeignetem Personal knabbern am Selbstverständnis der Getränkemärkte. Alternative Optionen gibt es durchaus – allein: So richtig geht trotzdem nichts weiter. Ist die Branche zu schläfrig?
Automatengeschäfte in den Eingangsbereichen, Abholfächer analog zu den bekannten Paketstationen: Prof. Dr. Stefan Rüschen, Hochschule Heilbronn, kennt sich aus in dem Metier. Warum der stationäre Getränkehandel noch nicht mitmacht? Gute Frage.
INSIDE: Herr Prof. Rüschen, haben die Betreiber von Getränkefachmärkten Ihrer Meinung nach verstanden, wie sie restriktiven Ladenöffnungszeiten entgegenwirken können?
Prof. Rüschen: Verstanden haben sie es schon. Also “verstanden” im Sinne von, dass sie da eine Chance sehen. Aber ich persönlich kenne keinen Testlauf mit den Abholboxen. Keinen einzigen.
Eigentlich doch verwunderlich?
Nun ja – dass es generell Optionen gibt, die Öffnungszeiten neu zu definieren, vielleicht auch mal am Sonntag, das haben alle verstanden. Das finden alle cool. Da war bei diversen Gesprächen auch der ein oder andere dabei, der gesagt hat: Das interessiert mich, überlegen wir weiter. Aber es ist irgendwie bei der Überlegung geblieben. Passiert ist nichts.
Getränkemärkte könnten ja auch zum Beispiel im Vorraum ihrer Filiale gut sortierte Automatenläden aufstellen, wie man sie aus den Innenstädten kennt …
Kenne ich nicht, also zumindest nicht in größerem Stil. Da steht vielleicht ab und zu mal ein Automat davor. Aber ein umfangreicheres Sortiment? Nein, kenne ich nicht.
Worauf führen Sie das zurück? Auf das mangelnde Interesse oder schlechte Erfahrung?
Schlechte Erfahrung könnte ich dann sagen, wenn einer getestet und eine schlechte Erfahrung gemacht hat. Es bräuchte eben mal zwei, drei innovative Unternehmen, die die Sache anpacken.
Und die Automatenstores in den Innenstädten?
Die werden meistens von jungen Leuten betrieben, die Geld verdienen wollen. Oft auf Basis Einweg, also primär Red Bull und andere Energydrinks. Mittlerweile funktioniert aber auch das mit der Alterskontrolle, da können Sie auch mal ein Bier rausholen. Diese Shops funktionieren zum Teil schon sehr professionell, mit 15 Automaten und zehn, 15 oder 20 Filialen. Solche großen Automatenshops sind gut etabliert. Die ganzen kleinen, die eine zeitlang wie Pilze aus dem Boden geschossen sind - da werden viele wieder verschwinden.
Wäre doch eigentlich ein feines Zusatzgeschäft für örtliche Getränkehändler?
Ich kenne keinen, der das macht.


