Geht dem CO2-Markt die Luft aus?

Die grüne Story für Marken wird zu teuer. Brewdog lässt vom CO2-Ablasshandel stückweise ab. Zu hoch sind die Preise, zu niedrig die Qualität der Zertifikate. 

Die Craft-Brauerei Brewdog (Absatz in Deutschland 2023: 29.000 hl) wird sich ab November nicht mehr auf die Fahne schreiben „CO2-negativ“ zu sein. Gründe seien die hohen Preise seriöser CO2-Zertifikate, die immer seltener auf dem Voluntary Carbon Market (VCM) werden, der außerdem mit „dirt cheap“-Zertifikaten überschwemmt wird. Gute Zertifikate seien so teuer, dass Brewdog, das pro Jahr rund 1 Mrd Dosen weltweit verschifft, in Zukunft bei eigenen Klimaprojekten Einbußen machen müsste.

Wie viel Brewdog gezahlt hat, ist unklar. Öko-Experten aber sind der Überzeugung, dass Zertifikate nicht unter 30 Euro pro Tonne CO2 kosten sollten, wenn sie in der Umwelt etwas bewirken sollen. Noch gibt es sie teils für unter drei Euro/Tonne zu kaufen. Je nach Standard liegt die Spanne in der Regel bei fünf bis 60 Euro/Tonne. Dieselben Experten sind sich auch sicher, dass es kein Unternehmen in der EU derzeit aus eigener Kraft schafft, CO2-neutral zu sein. Brauereien schon gar nicht. Vor allem der im Greenhouse Gas Protocol unter Scope 3 gefasste Teil, der die indirekte Freisetzung klimaschädlicher Gase in der vor- und nachgelagerten Lieferkette abdeckt. Eine mittelständische Brauerei mit 100.000 hl Absatz, die die im eigenen Unternehmen (Scope 1) und die von Energielieferanten verursachten Emissionen (Scope 2) selbst neutralisieren kann, muss für einen zweijährigen Ausgleich der Scope 3-Emissionen immer noch rund 1.500 Zertifikate kaufen.

So manche Brauerei, die sich mit Zertifikaten grün waschen könnte, tut es nicht: Krombacher etwa verzichtet bewusst darauf, Produkte als CO2-neutral zu bezeichnen. Denn Green Washing ist noch immer vermintes Gebiet. Dann lieber das 2002 mit dem WWF gestartete Regenwaldprojekt („Saufen für den Regenwald“) stolz vor sich her tragen – rund 4 Mio Euro ist der Stiftungsfond groß, der zum Waldschutz eingesetzt wird. Später folgte Krombachers Renaturierungsprojekt in Borneo. Ein Ausstoß von 3 Mio Tonnen CO2 pro Jahr werden dem Unternehmen zufolge verhindert. Zertifikate gibt es auch hier nicht. 

 

Artikel aus INSIDE 956

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