Brauer im AfG-Moshpit

Die Innovationsabteilungen der deutschen Bierhersteller verlegen sich auf alkoholfrei.

Karaoke ist von jeher die Lieblingsdisziplin der deutschen Brauwirtschaft. Jeder Hit wird nachgesungen. Und so wird nicht lange hinterfragt, ob der Boom bei Paulaner (laut INSIDE 992 im Jahr 2025: 2,66 Mio hl Paulaner Spezi, +0,2 Mio hl Paulaner Orange und Zitrone) möglicherweise mehr ein isolierter Markentrend als ein Sorten-Trend ist. Es wird einfach mitgeträllert. 

Die halbe Braubranche ist in den letzten eineinhalb Jahren mit Limo oder Cola-Mix in den Markt gegangen, die Palette reicht von Alpirsbacher über Flensburger, Stauder, Karlsberg, Fiege, Barre, Einbecker bis zuletzt zu Carlsberg (Lümo). Von den größeren Bierplayern verweigern sich nur AB Inbev und Radeberger Gruppe dem Trend. Die Bitburger Braugruppe interpretiert den vermeintlichen Trend mit einer eigenständigen Coverversion, legt ein paar Bier-Beats darunter und dehnt ihre alkoholfreie Mix-Palette mit neuen Geschmacksrichtungen für Bitburger Fassbrause (zu Zitrone und Orange kommen Varianten in Waldmeister, Rhabarber und Johannisbeere). Und die Alkoholfreie Bier-Linie Bitburger 0,0 wird mit einem Chor aus Bitburger 0,0 Passionsfrucht, 0,0 Grapefruit, 0,0 Ananas und 0,0 Pfirsich besungen.

Pilsmarktführer Krombacher hatte 2023 eine Lizenz für Krombacher Spezi von der Original Spezi-Inhaberfamilie Priller-Riegele gekauft und sich dank ihrer Distributionsmaschine im letzten Jahr auf 185.000 Hektoliter hochgekämpft. Offenbar genug, um die Brauerei Veltins auf den Plan zu rufen. Der seit acht Monaten amtierende Marketing-Gf Fabian Veltins und sein Marketingdirektor Stefan Wiesmann tanzen in die AfG-Kategorie. Ihr neuer Veltins-„Spezi“ im obligatorischen 70er-Jahre Design trägt den vieldeutigen Namen Remix. Gefüllt wird Remix ausschließlich in 0,33-Liter-Dosen. Ein Gebinde, das bei Paulaner Spezi laut INSIDERN nur ein Viertels des Volumens, aber zwei Drittel des Deckungsbeitrags abwirft.

Wer von den Remixern, Nachahmern und Wiedergängern sich tatsächlich langfristig in den AfG-Charts platzieren kann, bleibt weiter ungewiss. Erwachsenen-Limos wie Fritz oder Afri spüren den Roll-Out der Brauer zwar immer deutlicher. Und zumindest Paulaner ist bei den Größen der Carbonated Soft Drinks-Welt auch schon mal auf dem Wettbewerbs-Radar aufgetaucht. Doch langfristig wird den Brauereien im AfG-Moshpit nicht viel zugetraut. Ein Coke-Mann spottet: „Bierleute denken bei CSD doch an Christopher Street Day.“

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