Was hat Paulaner mit der Anfang 2025 erworbenen Riesenbude Hatz-Moninger in Karlsruhe vor? Seinerzeit benötigte die Brauerei dringend Kapazitäten für ihr mittlerweile knapp drei Mio hl großes EBIT-Wunder Spezi. Doch das mit geschätzt 50.000 m2 Grundstücksfläche unterlegte Gelände samt Mega-Kapazitäten weckt laut INSIDERN auch Fantasien der Bierbrauer im Paulaner-Kosmos.
Vor mehr als 20 Jahren, zum Jahreswechsel 2004/05, hatte die Brau Holding International AG (BHI) als Joint-Venture zwischen der Schörghuber Unternehmensgruppe (damals 50,1%) und Heineken (49,9%) sämtliche Anteile der bumsgesunden Privatbrauerei Hoepfner in Karlsruhe übernommen. Inhaber Dr. Friedrich Georg Hoepfner wurde der Deal nicht nur mit einem Sack voll Geld versüßt, sondern auch mit der Gf in Karlsruhe und bei Fürstenberg in Donaueschingen (INSIDE FAX-Extra vom 16.11.04). Es war ein Big Deal des damaligen BHI-und Paulaner-Chefs Prof. Wolfgang Salewski, den Hoepfner später sogar bei der BHI ablösen durfte. Operativ ist Friedrich Hoepfner mittlerweile Geschichte; die auf geschätzt 120.000 hl abgedampfte Brauerei, 10 km weit entfernt von der neuen Paulaner-Stätte, läuft aber immer noch mit einem langjährigen Pachtvertrag (angeblich bis 2034). Nur: wie lange noch? Abgefüllt wird Hoepfner-Flaschenbier längst bei der Paulaner-Tochter Schmucker.
Parallel zu Meldungen, wonach Paulaner nicht nur in die Spezi-Abfüllung, sondern auch in den Braubetrieb in der alten Hatz-Moninger mittlerweile viel Geld investiert hat, soll der Konzern der Belegschaft bei Hoepfner klargemacht haben, dass ihre Zeit in der „Hoepfner-Burg“ endlich ist und spätestens ab Anfang 2028 Hoepfner dann aus der Hatz-Moninger kommt. Das widerspricht zwar dem noch zur Hatz-Moninger-Übernahme insinuierten Hoepfner-Versprechen. Dennoch reportieren INSIDER ziemlich konkret von Plänen für eine zweite große Abfüllanlage bei Hatz-Moninger – weitere Investitionen in den (Bier-)Standort nicht ausgeschlossen. Von Seiten der Brauerei werden solche Gerüchte nicht kommentiert. Auch nicht, dass Paulaner (das Spezi im Gegensatz zur Limo im eigenen Haus herstellen muss) seine Logistik zunehmend bei Hatz-Moninger konzentriert.
Welche Folgen das alles für die weiteren Paulaner-Brauereien Schmucker (ca. 100.000 hl) und Fürstenberg (ca. 400.000 hl) haben könnte, scheint noch ungewiss. 2025 steuerte Paulaner mit einem dicken Absatzplus von 8% bei der Marke (Bier) auf die magische drei Mio hl-Marke zu und verkauft mittlerweile mehr Bier im Export als im Inland. Womöglich wartet man in der Münchner Konzernzentrale auch ab, wie sich der Biermarkt hierzulande entwickelt. Feingeist Friedrich Hoepfner, der 2014 seine Mälzerei schloss und das Areal zu einem Smart Quarters umwandelte (INSIDE 711), dürfte genug Fantasie besitzen, was sich aus dem Brauereigelände machen lässt.
Die Voreigentümerfamlie Scheidtweiler hält dem Vernehmen nach an ihrem Plan fest, auf dem Dach eines Silos eine eigene Brauerei zu bauen. So oder so.

