Tegernseer pflückt Hopf

Willkommene Auffrischung: Christian Wagner

Die Münchner Paulaner Brauerei Gruppe fokussiert sich. Und hat dabei auch keine Sorge, einen Wettbewerber zu stärken. 19 Jahre nach der Übernahme der Brauerei Hopf gibt Paulaner die Miesbacher Weißbierperle nun an das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee weiter (INSIDE-Hot Shot vom 14.11.) Die Hellbier-Marke investiert in Weißbier.

An der Seite des damaligen Kooperationspartners Tegernseer war die Weißbierbrauerei Hopf in den Neunziger Jahren zu einer festen Größe im Oberland geworden und genoss in München Geheimtipp-Status. Doch die Freundschaft mit Tegernseer zerbrach, das Herzogliche Brauhaus unter Direktor Helmut Huber wandte sich Erdinger und Schneider zu. Zwischenzeitlich hatte der gekränkte Hans Hopf sogar ein Schlierseer Hell herstellen lassen, was ihm 2003 von Tegernseer gerichtlich untersagt wurde (INSIDE 427). Hopf wurde mürbe.

2006 bei damals 42.000 hl griff die Paulaner-Tochter Hacker-Pschorr Bräu zu. Der Hacker-Chef und spätere Paulaner-Geschäftsführer Andi Steinfatt, ein gebürtiger Miesbacher, sah in der Marke große Potenziale und handelte mit Bianca Hopf und ihrem Vater Hans Hopf die Übernahme aus. Hopf sollte das Weißbier-Beiboot von Hacker-Pschorr werden, die Oberbayern-Alternative zur nationalen Marke Paulaner. Das Verhältnis zu Tegernseer entspannte sich. Auch weil mit Christian Wagner dort ein neuer Direktor angetreten war.

Übergabe soll schnell erfolgen

Seit dem Abgang von Steinfatt und unter dem neuen CEO Jörg Biebernick geriet Hopf bei Paulaner aus dem Fokus. Die Weißbierperle wurde vertrieblich runtergefahren und sollte auf drei Sorten eingedampft werden. Mehr als 35.000 hl waren zuletzt nicht mehr drin. Die Chance für Wagner und Ihre Königliche Hoheit Anna Herzogin in Bayern.

Die 50-Jährige ist seit 2005 Alleininhaberin des Herzoglichen Brauhauses und erlebte nur den steilen Aufstieg. Im Windschatten von Augustiner, deren Vertriebspolitik Wagner ungeniert kopierte, kletterte der Ausstoß von gut 100.000 hl auf 400.000 hl. Eine neue Abfüllanlage mit Logistikzentrum in Gmund musste 2015 errichtet werden, um der Nachfrage nachzukommen. Seit zwei, drei Jahren allerdings ist bei Tegernseer die Luft raus. Ihre Königliche Hoheit und Brauereidirektor Wagner erlebten erstmals sogar Absatzrückgänge. Da ist die Übernahme der kleinen Weißbierbrauerei im nur elf Kilometer von Gmund entfernten Miesbach eine willkommene Auffrischung. Die Übergabe soll schnell, zum 1. Januar 2026, erfolgen.

Glücksfall für Hopf-Gf

Allzu viel Synergien will man offiziell (noch) nicht heben. Die Brauerei in Miesbach soll erhalten bleiben. Geschäftsführer Tilo Ruttmann, 59, und alle Mitarbeiter bleiben an Bord. Für Ruttmann ist die Übernahme ein Glücksfall. Der Oberfranke, der als junger Mann seine elterliche Bürgerbräu Selb an Kulmbacher verkaufte (INSIDE 393), kam über Coca-Cola und Bischofshof zu Paulaner, wo ihn Steinfatt 2007 als Geschäftsführer zu Hopf entsandte. Nun wird er zur Weißbier-Lanze der Herzogin.

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