Während die Absätze der meisten Marken erodieren, muss sich die Deutschland-Einheit des dänischen Braukonzerns auf einen erneuten Neustart einrichten.
Die knapp drei Mio hl große Deutschland-Einheit von Carlsberg (u.a. Astra, Lübzer, Holsten) braucht einen neuen Anführer. CEO Simon Mosegaard Fibiger wird sich spätestens zum 31. Juli verabschieden (INSIDE-Hot Shot vom 13. Mai 2025). Konzernmann Fibiger war 2023 nach Hamburg beordert worden, nachdem Vorgänger Sebastian Holtz seinen Abschied zu Bitburger angekündigt hatte. Fibiger übernahm erst interim, dann fest. Angewachsen ist er mit seiner Familie in Tyskland freilich nie. Frau und vier Kinder vermissten Dänemark.
Doch in der Konzernzentrale in Kopenhagen war für den 40-Jährigen kein adäquater Job frei. Und so verabschiedet er sich nicht nur aus Hamburg, sondern nach 15 Jahren vollständig vom Carlsberg-Konzern. Am 1. August wird er die Dänemark-Einheit des norwegischen Foodherstellers Orkla mit Sitz im heimischen Kopenhagen übernehmen. Dort beerbt Fibiger den langjährigen Dänemark-Chef Carsten Hänel (der früher ebenfalls bei Carlsberg beschäftigt war).
In Hamburg sorgte Fibigers Abgang nicht unbedingt für Herzstillstand, doch aber für leicht erhöhten Puls. Die Situation der Deutschland-Einheit ist weniger stabil als noch unter Holtz. Die Absätze schwächeln. Einzig Lübzer und Carlsberg zeigen sich robust. Holsten ist zur reinen Dosenmarke verkommen, Astra ist preislich an die Decke gestoßen und die ostdeutsche Ex-Perle Wernesgrüner dient dem Konzern ohnehin vornehmlich als Produktionseinheit.
Fibigers Hauptaugenmerk galt freilich nicht der Stabilisierung der Core Brands, sondern den Direktiven der Konzernzentrale. Und so zog er brav blanc, als Kopenhagen den Aufbau der in Asien erfolgreichen Marke Kronenbourg 1664 Blanc befahl. In das aromatisierte Witbier in Blauglasflaschen floss neben großzügigen Mediaspendings auch die Energie der zeitweise von Marketing-Gf Gunnar Fischer geleiteten Vertriebsmannschaft Handel. Die Absätze blieben sehr überschaubar. Seit April ist mit Kai Grzywatz ein neuer Vertriebs-Gf in Hamburg, der sich nun bald auf seinen zweiten CEO einstellen darf. Die Nachfolge soll schnell entschieden werden: Westeuropa-Boss Søren Brinck hat dem Hamburger Management eine schnelle Lösung versprochen. INSIDER tippen auf einen Nachfolger aus der Carlsberg-Hemisphäre.
Fibiger ist nicht die einzige Lücke, die Brinck schließen muss. Hamburg verliert eine weitere – in Kopenhagen exzellent verdrahtete – Managerin. Hanna Fabricius entschwindet gen Asien zur Lao Brewing Company, einem Joint-Venture von Carlsberg und der laotischen Regierung. Fabricius arbeitete zehn Jahre als Controllerin für die Unit Western Europe, bevor sie 2020 als Finanzgeschäftsführerin nach Hamburg entsandt wurde.

