Die Beverage Independence Group war ihm zu groß, jetzt dockt Norbert Göbel mit seinen 26 Märkten beim EKR an. Offenbar zum Missfallen eines Ulmer Wettbewerbers, der jetzt gekündigt hat beim Einkaufsring.
Der Einkaufsring der Deutschen Getränkemärkte (EKR), der sich jüngst mit seiner Aktivgruppe (Orterer, Ahlers, Hoffmann, Heurich) gegen die aus Top Getränke und Pro-Getränke entstandene Beverage Independence Group (BIG) aufplusterte (INSIDE 966: “EKR ist bigger als BIG”), hat zum Jahreswechsel Zuwachs bekommen: Getränke Göbel, 70 Mio Euro Umsatz schwerer GAM-Verleger aus Neu-Ulm und gerade erst aus der Top ausgetreten (INSIDE 960: “Too big für Göbel”), schließt sich dem Einkaufsring an. Lieferanten wurden INSIDERN zufolge bereits informiert.
Der Wechsel ist pikant. Norbert Göbels Lokalrivalen Karl-Heinz “Charly” Finkbeiner jun. passt es gar nicht, dass er nicht mehr der einzige Ulmer EKR-Gesellschafter ist. Finkbeiner ist mit seiner rund 75 Mio Umsatz großen GAM-Kette Gründungsmitglied des 1985 geschmiedeten Einkaufsrings. Der Junior, der das Unternehmen 2021 von seinem Vater überschrieben bekam (seine Schwester Gabriele Finkbeiner, die die Firma beim Einkaufsring vertrat und mit allen Granden eng verdrahtet war, blieb außen vor) pocht auf den ungeschriebenen EKR-Ehrenkodex. Der besagt: Nur Verleger, die nicht mit dem LEH verbandelt sind, dürfen EKR-Gesellschafter werden. Und nur solche dürfen an Bord, die weiße Flecken von der Distributionskarte tilgen.
An Regel Nummer zwei hält sich der EKR aktuell nicht: In einer Abstimmung per Umlaufverfahren beschlossen die Gesellschafter die Aufnahme von Göbel, der in Ulm und um Ulm herum ein enger und nicht immer geschätzter Wettbewerber von Finkbeiner ist. Bei Charly Finkbeiner ist die Botschaft angekommen. INSIDER wissen, dass er beim EKR gekündigt hat. Mit ordentlich Schmackes im Schreiben.
Das Pingpong aber bleibt unvollendet: Thorsten Schöns BIG wird sich Finkbeiner INSIDERN zufolge nicht anschließen. Zwar hatte die BIG Finkbeiner angebaggert. Doch offenbar hat der tief in der Region verwurzelte Finkbeiner Bauchschmerzen damit, sein ganzes Einkaufsmandat an BIG-Verhandler Georg Gorki abzugeben, wie es wiederum der BIG-Kodex vorsieht.
In der Historie des Einkaufsrings gab es immer wieder Hakeleien. Ein Blick in die Vergangenheit:
- Der EKR wird als bayerische GAM-Connection 1985 gegründet. Unter anderem von Wolfgang Brügel (Fristo), Walter Orterer und Karl-Heinz Finkbeiner sen. In den nächsten Jahren gesellen sich auch auf nationaler Ebene (Hannover, Wüllner, Bielefeld) Mitglieder hinzu.
- Im Oktober 1997 schreibt INSIDE, dass Andreas Brügel seine Märkte über die Edeka Nordbayern abrechnet. Dass er bei der EKR-Tafelrunde nun mit “Edeka-Ohren” mithört, das passte den übrigen Rittern nicht. Brügel fällt in Ungnade. (INSIDE 299)
- Im Oktober 2000 wird Trinkgut-Macher Udo Täubrich die Aufnahme in den EKR verwehrt, weil er mit der Dortmunder Rewe verbandelt ist. (INSIDE 369)
- Im Juli 2004 muss Brügel gehen. Nicht wegen seiner Lovestory mit der Edeka. Sondern weil er mit seinen Fristo-Fachmärkten in Regionen anderer EKR-Gesellschafter eingedrungen ist. Das Fass läuft über, als er EKR-Mitglied Hoffmann einen Berliner Standort wegschnappt. (INSIDE 464)
- Im Oktober 2011 kegelt der damalige EKR-Gf Sepp Gail Getränkeland Heidebrecht aus dem Lobbyverband. Der Grund: Axel Heidebrecht schiebt das gesamte Einkaufsmandat seiner 140 Märkte zur Für-Sie-Vermarktungsgesellschaft GVG (Rewe). (INSIDE 638)
- Zum Jahresende 2024 müssen die BIG-Mitglieder Hörl und Sagasser (Top-Gruppe) sowie Getränke Fleischmann (Pro Getränke) gehen, da keine Doppelkonditionen erlaubt sind. (INSIDE 955)
Artikel aus INSIDE 967
