Es tropft: Spessart unterm Schutzschirm 

Die Spessart Brauerei mit über 130 Jahren Geschichte steht vor dem Aus. Nach technischen Pannen, Führungswechseln und finanziellen Altlasten hat das Unternehmen nun vorläufige Insolvenz angemeldet.

Am 23. Juli stellte Geschäftsführer Oliver Heitjans beim Amtsgericht Würzburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Würzburger Rechtsanwalt Stefan Herrmann bestellt. Die Gehälter der 13 Angestellten sind bis September über das Insolvenzgeld gesichert.

Gegründet 1887, war die Brauerei über vier Generationen in Familienhand. Dr. Horst Müller führte sie fast 60 Jahre lang, bevor er sie Ende 2020 im Alter von 85 Jahren verkaufte – mangels familiärer Nachfolge. Was folgte, war ein Eigentümerwechsel mit Ansage: Erst übernahm die VBW Weihenstephan mit einem Betreibermodell, um den Übergang zu einem neuen Eigentümer zu bereiten. Der wurde schließlich 2021 im Würzburger Unternehmer Christian Meier (Inhaber der Sektkellerei J. Oppmann) gefunden. Der Sohn des Ex-WürzburgerHofbräu-Gf Reinhard Meier installierte umgehend mit dem Ex-WieningerFriedrich Wilhelm einen externen Geschäftsführer, der nach drei Jahren aussortiert und später durch den ehemaligen AB Inbev-Mann Oliver Heitjans ersetzt wurde.

Unter Wilhelm wie auch Heitjans wurde die Marke sukzessive neuausgerichtet, wie etwa mit der Einführung der Marke Räuberchen in der Europulle. Auch wurde die Kapazität um mehrere Lohnbrauaktivitäten (u.a. Mein Main, Neuschwan­steiner) und Handelsmarken (Kreuzwertheimer für Getränke Hoffmann) stärker ausgelastet. Im vergangenen Jahr soll ein Plus von 27% in den Büchern gestanden haben.

Die solide Auftragslage im 1. HJ wurde jäh gestoppt: Ein defekter Dampfkessel, ein undichtes Sudhaus, ausstehende Pensionsverpflichtungen und mögliche Rückforderungen von Coronahilfen brachten die rund 20.000-Hektoliter-Brauerei in Schieflage. Die Hausbank verweigert weitere Mittel. Der Betrieb läuft vorerst weiter, doch für den 1.10. ist die Insolvenzeröffnung geplant. Ohne Investoren oder ein tragfähiges Konzept droht das Aus.

Share this article: