Nicht erst seit dem aktuellen (kleinen) Rumor um Kunzmanns Winzerschorle wecken weinhaltige Mischgetränke Begehrlichkeiten in einer von dünnsten Margen ausgezehrten Branche.
In eigener Sache konnten die Dasinger Weinexperten Natalie und Jürgen Kunzmann dieser Tage Entwarnung geben: Ihre unter dem Fantasielabel Winzerschorle schon seit 2001 verkauften Mischgetränke in mehreren Geschmackssorten – mittlerweile bei rund 80.000 hl im Jahr – dürfen wohl auch weiterhin so heißen. Das Verwaltungsgericht Augsburg beschied eine Feststellungsklage Kunzmanns jetzt dahingehend, dass es den Dasingern nicht verboten werden darf, „das weinhaltige Getränke ´Winzerschorle fruchtig´ bzw. den aromatisierten weinhaltigen Cocktail ´Winterschorle süß´ unter der geschützten Marke ´Winzerschorle´ in den Verkehr zu bringen.“ – Womit Kunzmann, gesetzt den Fall, dass eine etwaige Berufung der Gegenseite nicht noch mal anders ausgeht, womöglich einer ganzen Schar von Nachahmern den Weg bereitet.
Noch im September 2023 hatte der Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS) eine Stellungnahme veröffentlicht, derzufolge nach § 36 der Weinverordnung „ein weinhaltiges Getränk, das durch Vermischen von Wein mit kohlensäurehaltigem Wasser hergestellt wird, als Schorle oder Weinschorle bezeichnet werden“ darf. Ein Zusatz von Saccharose „ist bei diesen Produkten gemäß § 36 der WeinV nicht vorgesehen“. Auch ein Getränk auf Weinbasis mit der Angabe „Winzerschorle“ müsse „die Vorgaben für Schorle erfüllen, da diese Angabe suggeriert, es handele sich um ein Erzeugnis i. S. d. § 36 der WeinV“.
Das Augsburger Urteil konterkariert jetzt diese Auffassung; man darf gespannt sein, ob das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) oder/und der betroffene Landkreis Aichach-Friedberg noch mal dagegen vorgehen. Die Erfolgsgeschichte der Weinmischgetränke oder wie auch immer man sie titulieren mag infiziert auch die Wertschöpfungsfantasien anderer Getränkehersteller. Mittlerweile sind u.a. auch die Ingolstädter Herrnbräu (mit Augusta Weinschorle), Pyraser (mit Weisswein Sprizz) und die Kaufbeurer Aktienbrauerei (mit Fräulein Süß, Fräulein Sauer) im Weinmischsegment unterwegs. Zudem auch: die Würzburger Sektmanufaktur Oppmann. Inhaber Christian Meier empfiehlt sich dieser Tage offensiv Kollegen in der Branche mit wahlweise Lohnfüllung bei seiner Spessart-Brauerei (wo mit dem Ex-AB Inbev-Mann Oliver Heitjans als Gf und Marco Hacker als Braumeister ein neues Team am Start ist) oder Weinschorle-Produktion für den Tanklaster in Würzburg.
Kunzmann stellt Truppe neu auf
Bei Kunzmann, der nun endgültig den Kauf der niederbayerischen Brauerei Hutthurm abgeschlossen hat (auch für die Produktion von Winzerschorle), stehen unter Gf Guido Grebe indes neue Gesichter auf der Payroll. Nachfolger des altgedienten technischen Leiters in Dasing, Jürgen Löblein, 64, der sich in den Ruhestand verabschiedet, wurde der bisherige Maisel & Friends-Energiemanager Christof Thalhammer, 40. Er erhält zudem Prokura der Unternehmensgruppe. Für die Brauerei Hutthurm, deren 1. Braumeister Andy Zacher im Zuge der Übernahme den Wechsel zum Außendienst bei Erbslöh vorzog, verpflichteten die Schwaben den Ex-Hacklberg-, Drachselsried- und zuletzt Viechtach-Braumeister Reinhard Obermeier, 54. Er berichtet an die Geschäftsführung in Dasing.
Die durch Hutthurm erweiterte Vertriebsorganisation übernimmt Uwe Mergel. Der 47-Jährige startet zum 13. Januar als Verkaufsleiter Bayern/BaWü und wird unterstützt von einem sechsköpfigen Außendienst. Mergel stammt aus einer GFGH-Familie und war für Tucher wie auch für Schneider Weisse unterwegs. Er berichtet an den nationalen Vertriebsleiter Johannes Rumpf.
Dieser Artikel erschien in INSIDE 965.

