Ein Jahr nach der ehrgeizigen Sporensuche des Landratsamtes Rastatt resp. seiner Lebensmittelüberwachung wurden die Wächter in Scheidtweilers Franz-Brauerei schon wieder fündig. Diesmal haben sie die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht.
Getreidespindel, Malzboden, Jahrhunderte alte Gär- und Lagerkeller: Wer hier etwas finden will, der findet auch was. Schimmel, Schaben, Schädlinge. Das Problem ist jedem in der Branche bekannt. Noch immer nutzen sich Kontrolleure, deren Abteilungen mitunter aus alten Rinderwahnsinns-Zeiten verblieben sind, an Meldewahnsinn ab. So auch im Juli in Rastatt, als ein Mitarbeiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung bei Franz in Rastatt wieder mal was gefunden haben wollte. Eine Art Déjà-vu: Das Gleiche war den Scheidtweilers schon ein Jahr zuvor passiert, als die Prüfer „ekelerregende“ Zustände vorfanden – eine Verbalinjurie wie ein Foulspiel im Strafraum, nur ohne Schiedsrichter.
Den fanden die Scheidtweilers, die sich den Affront (und den wirtschaftlichen Schaden) diesmal nicht erneut gefallen lassen wollten, in dem testierten Gutachter Prof. Dr.-Ing. Jens Voigt, Ex-Weihenstephaner und später Steinecker-Ingenieur. Voigt ist heute Professur für Getränketechnologie und Hygienic Design an der Hochschule Trier und soll laut INSIDERN in der Causa Rastatt ein Gutachten verfasst haben, in dem mögliche Mängel zwar nicht ausgeschlossen werden, in dem allerdings auch impliziert wird, dass diese (behebbaren) Mängel keinerlei Einfluss auf die Qualität des Bieres haben.
Mit Blick auf eine Zwangspause im Sommer, die das stete Wachstum der Brauerei (auf zuletzt 27.000 hl) einbremste, steht nach dem Gutachten Voigts zumindest die Androhung von Schadensersatzforderungen im Raum – womit es nun wieder für die Behörde ungemütlich wird, auf deren sommerliche Aktivität hin mittlerweile die Staatsanwaltschaft aktiv wurde. Es könnte noch ein heißer Spätherbst werden. Man wolle sich, wird von Wolfgang Scheidtweiler und seiner Familie kolportiert, das Projekt Rastatt nicht mehr kaputt machen lassen.
Ungebremste Investitionen
Auf die Belegschaft in Rastatt und an den anderen fünf Standorten (die zum Teil ebenfalls mit offener Gärung arbeiten) dürfte der Trotz Scheidtweilers beruhigend wirken. Seine Familie investiert auch abseits der großen Hotelprojekt weiter in ihre Brauereien: Bayerisches Brauhaus Pforzheim (15.000 hl), Eppinger Palmbräu (rund 40.000 hl), Ruppaner Konstanz (20.000 hl), Gemünder (12.000) und die große, 2018 erworbene Hatz-Moninger in Karlsruhe, wo zuletzt 70.000 hl Marke (Hatz, Moninger) und etwa doppelt so viele hl Handelsmarken durch die Braukessel liefen. INSIDER erwarten dort ein veritables Downsize-Programm mit Fokus auf Eigenmarken; dafür entstehen in den ebenfalls zum Scheidtweiler-Imperium (Private Hotel Collection) zählenden Burgen und Klöster demnächst wohl zwei kleinere Gasthausbrauereien. Plus eine Wein-Erlebniswelt im Schloss Brackenheim.
Artikel aus INSIDE 961
