8. Augustiner: +20.000 hl; +2,5%
Seit vier Monaten gibt es nun den „Tabubruch“ Augustiner Alkoholfrei. Die Nachfrage: ungebremst. In den Abholmärkten sind die in knapper Menge zur Verfügung gestellten Paletten meist schon verkauft, ehe sie ihren Weg auf die Fläche finden. Gäbe es mehr Ware, so ein Fachhändler, hätte das Alkoholfreie auch einen Absatzeffekt. Immerhin: Der LEH bekommt bislang gar keine Kisten. Augustiner priorisiert bei der Auslieferung die eigene Gastronomie. Dort ist die neue Sorte lückenlos verfügbar und dürfte erste 10.000 hl in die Statistik gespült haben. Auch muss der nüchterne Stoff bereits für die Wiesn gelagert werden. INSIDER sprechen schon von „Krisenmanagement“. Angeblich wird über die Anschaffung einer weiteren Abfülllinie diskutiert. Dabei sind erst kürzlich im Münchner Stadtteil Freiham zwei neue Flaschenabfüllungen ans Netz gegangen.
Der Erfolg überraschte die Brauerei offenbar wirklich. Die rare Verfügbarkeit schürt die Neugier der Verbraucher immer weiter. Das Kerngeschäft dreht sich nichtsdestotrotz ums Hellbier. Hinter den Backsteinmauern im Westend zeigt man sich mit dem ersten Halbjahr zufrieden. Trotz mauem Biergartenwetter stimmten die Absätze in der Gastronomie – auch dank schottischer und holländischer Fußballfans, die München im Rahmen der Heim-EM zu Gast hatte. Außerhalb investiert die vermeintliche „Marke ohne Werbung“ hohe Summen in weitere prestigeträchtige Objekte. Im Herbst 2023 ins Mesner Gütl in Rottach Egern, kürzlich in den Augustiner Biergarten am Hochofen im südthüringischen Schmalkalden oder in Berlin-Prenzlauer Berg in den Augustiner Biergarten auf Bötzow (einst die größte Privatbrauerei Berlins), dem ein Wirtshaus im Herbst folgen wird.
Im Handel blieben die Absätze stabil. Auffällig ist eine zunehmende Aktionshäufigkeit. Vor allem bei Edeka, Netto und Penny ist Augustiner immer wieder zu Preisen zwischen 15,79 und 16,99 Euro im Angebot und damit bis zu drei Euro unterhalb der Konkurrenz. Das verstand Augustiner in den vergangenen Jahren immer zu verhindern. Zur Not mit logistischer Verknappung. Absatzstabilisierend wirkt sich aus der Sicht von Wettbewerbern auch die aktuelle Preispolitik aus. Sehnsüchtig warten regionale Brauer (u.a. Maxlrainer, Ayinger, Flötzinger, Wildbräu) auf eine eigentlich längst überfällige Preiserhöhung. Doch die ist noch immer nicht in Sicht.
Artikel aus INSIDE 955

