HB Freising im 1-Euro-Shop des Grafen

Wenige Monate nach einem INSIDE-Bericht über Verkaufsabsichten von Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach für sein Hofbrauhaus Freising wird es laut INSIDERN jetzt richtig bunt: Angeblich steht auf dem Preisschild der 67.000 hl Bier und 17.000 hl AfG großen Brauerei mittlerweile der nur noch symbolische Preis von 1 Euro.

Wie berichtet (INSIDE 971) hatte noch im Frühjahr die Mannheimer IMAP M&A Consultants AG per 80-seitigem Verkaufsprospekt erst sehr intern, dann breiter für einen Verkauf der Freisinger Traditionsbrauerei getrommelt – offenbar erfolglos, wie sich jetzt herausstellt. Die Summe blieb wohl Verhandlungssache – aus INSIDE vertrauten Kreisen wurden unterschiedliche Millionensummen ventiliert. Plus eine von IMAP vorgerechnete Investition von 17 Mio Euro, sollte der Käufer oder Pächter die Kapazität auf 400.000 hl ausbauen wollen.

Nun scheint es, als ob sich zu mangelndem Fortune beim Geschäftsverlauf der letzten zehn Jahre auch noch Pech gesellt. Der IMAP-Vorstoß, der potenziellen Investoren ohnehin schon viel Gestaltungsspielraum zubilligte (pachten, kaufen, nur brauen oder gleich alles übernehmen), scheint verpufft; intern wird berichtet, dass als Kaufpreis mittlerweile tatsächlich nur noch 1 Euro für alles aufgerufen wird - sprich: für die Brauerei, die Immobilien und das 17.000 Quadratmeter große Grundstück in eigentlich bester Lage im Einzugsbereich München.

Investitionsstau überall

Kleiner Haken: Investoren müssen angeblich 4 Mio Euro Bankverbindlichkeiten ablösen, zudem noch knapp 3 Mio Gesellschafterdarlehen. Auf dem Grundstück befinden sich in beträchtlichem Umfang denkmalgeschützte Gebäude, zudem sind die Filetstücke des gesamten Areals längst bebaut. Bei der Brauerei wiederum ist die Sanierung des Hauses (u.a. wurde ein knallhartes Preis- und Konditionssystem ohne Rücksicht auf drastische Absatzverluste installiert) vor Vollendung steckengeblieben, INSIDER berichten von gigantischem Investitionsstau. Wer will da noch anbeißen? Für Ignaz Graf von Toerring-Jettenbach, den mit der „Pellegrino-Prinzessin“ Robinia Mentasti-Granelli verheirateten und nicht direkt mittellosen Inhaber der Traditionshauses, gilt es jetzt, das Gesicht zu wahren; das Schlimmste und in Adelskreisen unverzeihlich wäre eine schnöde Insolvenz des Betriebes. 

Lipperts Vermächnis

Einer, der dem ganzen Treiben entspannter denn  je zusehen kann, ist Claus Lippert. Der seit drei Jahren amtierende Beiratsvorsitzende und Ex-Verleger kann sich ans Revers heften, den 2023er Fehlbetrag (laut Bundesanzeiger knapp 2 Mio Euro; aufgelaufener Bilanzverlust 3,1 Mio Euro) in 2024 halbiert zu haben. Absatz und Umsatz wurden drastisch eingedampft. Dazu erfolgte ein atemberaubender Geschäftsführerwechsel, denen binnen weniger Jahre Max Amberger,Nicolaus Dawo, der Ex-DistelhäuserJürgen Charrois  und Michael Metz zum Opfer fielen, bevor im September 2024 der Ex-König Ludwig-Gf Oliver Lentz verpflichtet wurde. Lippert wiederum, der sein Getränkeimperium 2020 an Radeberger verkaufte (INSIDE 828) und danach vom Grafen in den Freisinger Beirat gelotst wurde,  zieht sich nun endgültig und lange angekündigt von dort zurück. Wenn er auch keine Scherben hinterlässt, dann doch: einen Haufen alter Steine.   

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