Der merkwürdige Verkauf des Hofbrauhauses Freising hinterlässt auch Insider ratlos. Jenseits der üblichen Verlautbarungen zur Fortführung der Braustätte stellt sich die Frage nach den wahren Investoren. Und danach: was sie antreibt.
Lange genug war die noch maximal 67.000 hl Bier und 17.000 hl AfG große Traditionsbrauerei laut INSIDERN von der Mannheimer IMAP M&A Consultants AG für symbolische 1 Euro angeboten worden (INSIDE 979). Plus Übernahme von ein paar Millionen Euro Bankverbindlichkeiten und Gesellschafterdarlehen.
Dass jetzt eine erst 2024 von drei nicht eben Bier-affinen Managern gegründete Schweizer AG übernimmt, darf verwundern. Alldieweil hinter der Argon Management AG ein nicht näher benanntes Unternehmerkonsortium steht.
Öffentlich in Erscheinung getreten ist die Argon AG bislang noch nicht. Beraten wurde sie laut Insidern neben IMAP zu rechtlichen Aspekten von A&O Shearman. Auf Verkäuferseite soll ein Team von CSM um den Frankfurter Partner Dr. Joachim Dietrich an Bord gewesen sein.
Wie sinnfällig: In freier Natur ist Argon ein Schutzgas zum Schweißen.
Investoren wollen wohl nicht selbst in Erscheinung treten
Wer in Freising was mit wem zusammenschweißt, bleibt indes nebulös. Der 2024 nach u.a. Max Amberger, Nicolaus Dawo, dem Ex-DistelhäuserJürgen Charrois und Michael Metz als Gf in Freising installierte Ex-König Ludwig-Gf Oliver Lentz soll dem Vernehmen nach Geschäftsführer beim Hofbrauhaus bleiben. Was sehr dafür spricht, dass die neuen Investoren zum einen mangels Expertise, zum anderen aus Geheimhaltungsgründen nicht selbst in Erscheinung treten wollen.
Die ominöse Absichtserklärung, das Hofbrauhaus weiterzuentwickeln und seine Biere „im In- und Ausland stärker sichtbar zu machen“ (Argon-Gründungspartner Fredi Fischer), wurde der Belegschaft unlängst mitgeteilt. Ein Weiterbetrieb scheint somit erst mal gesichert.
Allein: warum der Umweg über eine AG in der Schweiz?
Gesichtswahrende Lösung für Durchlaucht?
Insolvenzen oder auch freiwillige Betriebsschließungen gelten in blaublütigen Kreisen als absolutes No-Go. Jahrelang hat Inhaber Erbgraf Ignaz zu Toerring-Jettenbach in den defizitären Freisinger Betrieb Millionen hineingesteckt. Laut Bundesanzeiger lag der Fehlbetrag 2023 bei knapp zwei Mio Euro, der seinerzeit aufgelaufene Bilanzverlust bei 3,1 Mio Euro.
Wie den neuen Investoren der Turnaround gelingen soll, bleibt angesichts dessen den meisten Beobachtern unklar. Mit ihrem „klaren Bekenntnis zu höchster Qualität (...) sowie dem Standort Freising“ ermöglichen die neuen Inhaber Toerring einen Ausstieg ohne Gesichtsverlust. Sie selbst werden sich der Marktlage und neuen Gegebenheiten rechtzeitig anpassen müssen.
Was das dann mit einem Zeitverzug von ein paar Jahren für den Braubetrieb bedeutet? Das weiß nur Argon.
