Und wieder erhalten Händler Bestandslisten vermeintlich insolventer Verleger von vermeintlichen Insolvenzverwaltern. Diesmal in Norddeutschland. Nur gehen die Betrüger dieses Mal schlampiger vor.
Nach einem verdeckten INSIDE-Anruf ist klar: Im Kern bleibt die Masche die alte. Angeblich werde eine große Route gefahren, um die beschlagnahmte Ware des Händlers aus Hamburg (ein Name wird nicht genannt) auszuliefern. Die Lieferung sei bei einem Mindestbestellwert von 5.000 Euro gratis, dauert fünf Werktage. Werde mehr überwiesen – in Vorkasse selbstredend – so gibt‘s Rabatt.
Im Unterschied zu den Fällen in Bitburg (INSIDE 954) und Köln (INSIDE 962) verschickt die vermeintliche Kanzlei Stein & Braun aus Hamburg keine gefälschten Gerichtsbeschlüsse. Auch klauen die Betrüger keine Identitäten tatsächlicher Anwälte. Und nicht nur bei der Website-Gestaltung geben sie sich weniger Mühe: In der Signatur einer an einen norddeutschen Händler versendeten Mail grüßt freundlich Wolfgang Schwarz von der Kanzlei Stein & Braun. Online ist dann die Rede von Wolfgang Stein. Neben ihm: Matthias Braun sowie Jannik Graf, dessen Steckenpferd angeblich das Insolvenzrecht ist. Und lässt man dann die Bilderkennung über die Fotos dieses Fake-Anwalt-Triumvirats laufen, dann spuckt Google rund 250 Internetseiten aus, auf denen die Bilder im Web auftauchen. Nicht selten mit Ursprung im Ausland.

