Wieder geben sich Unbekannte als Verwalter vermeintlich insolventer Getränkehändler aus und bieten nicht-existente Bestände aus der Insolvenzmasse zum Verkauf an. Auf Vorkasse. Die Geschädigten sind Anwälte und Händler.
Der aktuelle Insolvenzfälscher-Fall aus Köln ist im Kern ein solcher, wie er in INSIDE 954 beschrieben wird. Dieses Mal haben sich Unbekannte als Rechtsanwalt Jörg Reuffurth, Köln, ausgegeben und behaupten unter seinem Namen, Verwalter für den insolvent gemeldeten Manfred Marx Getränke GmbH zu sein. Reuffurth ist in der Tat ein Rechtsanwalt aus Köln. Und gegen den Händler wurde tatsächlich ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit eröffnet. Für den Fall zuständig ist aber Markus Nowak, Rechtsanwalt, ebenfalls aus Köln, und das Marx-Insolvenzverfahren läuft bereits seit 2020. Der nun an zig Händler unter der gestohlenen Identität von Reuffurth versendete Insolvenzbeschluss vom 22.01.2024 ist entsprechend eine Fälschung. Tückisch daran ist, dass das Amtsgericht Köln an genau diesem Datum tatsächlich ein Schreiben veröffentlichte. Allerdings, um einen nachträglichen Prüftermin für April bekanntzugeben.
Dass der Beschluss gefälscht ist, erkennen findige INSIDER daran, dass bei einem im Jahr 2024 eröffneten Verfahren kein 4/20-Kürzel im Aktenzeichen stehen kann, das auf den April 2020 verweist, als das Verfahren eröffnet wurde. Außerdem fehlt die Anschrift des Amtsgerichts. Diesen gefälschten Beschluss versenden Unbekannte per Mail durch ganz Deutschland. Eine vermeintliche Insolvenzgüterliste inklusive, über der verschnörkelt der Schriftzug „Reuffurth. Rechtsanwalt für Insolvenzrecht“ steht, der selbstredend nicht von Reuffurth selbst stammt. Stattdessen war er auf der gefälschten Reuffurth-Website zu finden, die von den Unbekannten für den Zweck gebaut wurde, um Seriosität zu simulieren. Die ist mittlerweile down. Reuffurth hatte die URL der Bundesrechtsanwaltskammer zufolge sperren lassen. Weiteres Indiz, dass die Sache faul ist: INSIDERN zufolge war der Bestand bereits 2020 nur noch „in kleinstem Maße“ vorhanden. Die in der Liste genannten Unmengen an Coca-Cola (allein 12x1 Liter gibt es 520 Mal) oder Jägermeister (296 Flaschen) dürften selbst in besten Zeiten nicht in den Marx-Regalen gestanden haben.
Artikel aus INSIDE 962
