Konditionen-Origami mit Coca Cola

Die neueste Preiserhöhung beinhaltet eine Überraschung, Coke bastelt an der Konditionspolitik. Ein kleiner Teil der Kondition wird gestrichen, zugleich verringert sich auch der Abgabepreis. Dieses sogenannte Folding (deutsch: falten) findet jedoch nur in kleinem Umfang statt. Kunden fragen sich, was Coke mit der Bastelarbeit bezweckt.

Coca-Cola Europacific Partners will ab 1. September rund 3% mehr für seine Produkte.  Die Deutschland-Einheit erhöht seit vielen Jahren jeden Herbst die Abgabepreise. Zeitgleich klettern auch die Abschläge für Konditionszahlungen. Neben Rabatten für Zahlungsform, Datenaufbereitung, Logistik, Werbekosten, Marketing und Sortimentstiefe gewährt Coca-Cola auch leistungslose Konditionen. Große LEH-Kunden mahnen immer wieder mehr Transparenz an. Tatsächlich aber schadet die Systematik vor allem den kleineren.

Die Praxis wollte der Konzern schon 2019 mal beenden, doch befand die eingesetzte Arbeitsgruppe, das die Umstellung auf Netto-Netto-Preise zu gefährlich sei. Nun wird ein bisschen Kosmetik betrieben: Die Bruttopreise werden abgesenkt, „gleichzeitig erfolgt eine entsprechende Anpassung der rechnungswirksamen Konditionen, sodass die technische Maßnahme des Foldings keine Auswirkungen auf ihre neuen Rechnungspreise hat“, erklärt CCEP-Vertriebschef Florian von Salzen in einem Kundenschreiben.

Warum die CCEP nun mit der Bastelarbeit beginnt, bleibt offen. Man wolle für eine bessere Nachvollziehbarkeit der Preisgestaltung sorgen, heißt es. Doch dafür müsste deutlich mehr gefaltet werden.

Immer noch Vollmond

Der Abschlag bei der 1,25-Liter PET Einwegflasche liegt zwar bei stolzen 20,6%, doch das reicht bei weitem nicht, um aus Coca-Colas Brutto-Mondpreisliste eine „nachvollziehbare“ Grundlage zu machen. Ab 1.9.25 liegt die Palette (40x6) 1,25-Liter noch bei 417,60 Euro, pro Flasche 1,74 Euro, zzgl. MwSt. 2,07 Euro. Irre. Der Regalpreis der Discounter liegt bei kaum mehr als der Hälfte. Und im Angebot ist die 1,25er (wie in den zwei Wochen vor Ostern bei Aldi Süd) für 75 Cent zu haben.

Der bedeutsamste Artikel, die 12x1-Liter Mehrwegkiste, steht in der neuen Liste für 17,04 Euro zzgl. MwSt. also 20,28 Euro. Im LEH liegt der Normalpreis meist bei 15,99 Euro, die Aktionen (die laut Streckenlogistikern zwischen 7 und 8 mal höhere Mengen ziehen) finden unterhalb von 10 Euro je Kiste statt. Kaufland wirbt aktuell mit 8,99 Euro. Das ist weniger als die Hälfte. Coca-Colas Konditionen-Origami muss noch einige Male wiederholt werden, um tatsächlich mehr Nachvollziehbarkeit zu schaffen.

Die Intransparenz hat Coke laut Marktbeobachtern kaum geschadet. Der hohe Konditionsanteil an den tatsächlichen Rechnungspreisen hat auch dazu geführt, dass beinahe jeder Getränke-Einkäufer überzeugt davon ist, außergewöhnliche Rabatte herausgehandelt zu haben.

Stichwaffe Stichtag

Bei kleineren Kunden aus GFGH und Fachhandel herrscht dennoch die Sorge, dass die Schere zu den Großen Konditionsempfängern weiter auseinander geht. Je geringer die Marktmacht, desto kleiner der Abschlag.

Das könnte sich schon am 1. September wieder zeigen. Konditionsfolding und Preisanpassung sollen „ohne Umstellungsfrist stichtagsgenau zum 1.9.2025 durchgeführt“ werden, kündigt von Salzen unmissverständlich an. Den marktüblichen Widerspruch gegen die Preiserhöhung kann Coke mit dem „stichtagsgenauem“ Streichen von Konditionen retournieren.

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