Ein neues Sondergutachten der Monopolkommission zum Thema “Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette” wurde heute an das Wirtschafts- und an das Landwirtschaftsministerium übergeben. Die Experten widersprechen dem Bundeskartellamt und warnen vor wachsender Marktkonzentration im LEH und fordern Gegenmaßnahmen. Nach einjähriger Analyse sieht die Monopolkommission deutliche Wettbewerbsprobleme. Vorsitzender Tomaso Duso betont, dass die Marktmacht des LEH klar zugenommen habe, während Landwirte unter globalen Preisschwankungen leiden. Die Top 4 (Aldi, Schwarz, Rewe, Edeka) kontrollierten 85% des Lebensmittelhandels.
Laut Duso steigen die Gewinnmargen nur bei Weiterverarbeitern und Handel, wodurch die Lücke zwischen Erzeuger- und Endverbraucherpreisen weiter wächst. Die Kommission fordert deshalb, im Lebensmitteleinzelhandel keine weiteren Übernahmen zuzulassen und Fusionen strenger zu prüfen. Sie widerspricht damit dem Bundeskartellamt, das den Wettbewerb im Handel bislang als intakt bewertet.
Das 287-seitige Gutachten empfiehlt daher eine deutlich verschärfte Fusionskontrolle: Zusammenschlüsse sollen entlang der gesamten Lieferkette bewertet werden, nicht nur regional. Zudem sollte geprüft werden, ob die vier großen Händler gemeinsam bereits marktbeherrschend sind. Auch nachträgliche Überprüfungen genehmigter Fusionen werden gefordert.
Zudem bereite die zunehmende Vertikalisierung des Handels Sorgen. Durch Handelsmarken und eigene Produktion erweitern große Händler ihre Kontrolle über die gesamte Lieferkette und stärken ihre Verhandlungsmacht gegenüber Industrie und Landwirtschaft.

