NGG pocht auf höhere Löhne

Der Fachkräftemangel in der Branche ebbt zwar ab – auch, weil Lkw-Fahrer aus anderen Märkten wie der Automobilbranche zuwandern. Doch kaum beruhigt sich die Lage, pocht die NGG mit Warnstreiks auf höhere Löhne. Das Personalproblem verlagert sich und wer in diesen Zeiten Geld sparen möchte, muss spitzfindig sein.

Bei GFGH und Herstellern flattern INSIDERN zufolge seit langer Zeit mal wieder Blindbewerbungen ins Haus. Lkw-Fahrer und Kommissionierer zog es immer seltener in die Getränkebranche, doch seit die Automobilbranche von Kündigungswellen überrollt wird, scheint sich die Personallage zu bessern. Aus Arbeitgebersicht bedauerlicherweise noch ohne Auswirkung auf die Gehaltserwartungen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert in mehreren Tarifgebieten in Deutschland mehr Lohn für sämtliche Beschäftigte bei Brauereien, aber auch bei Brunnen.

Zahlreiche Brauereien bestreikt

In folgenden Betrieben wurde gestreikt: Bei der Hasseröder Brauerei (AB Inbev) in Wernigerode will die NGG 6,5% mehr Lohn. Bei der Flensburger Brauerei und bei Carlsberg in Hamburg lautete die Forderung: 6% mehr Lohn für Brauereimitarbeiter in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, für Auszubildende soll es unter anderem 100 Euro mehr geben. Am vergangenen Dienstag dann hatte die NGG 200 Beschäftigte des Friesischen Brauhaus zu Jever zu einem Warnstreik aufgerufen. Die zweite Verhandlungsrunde zum Haustarif zwischen der Radeberger Gruppe und der NGG war zuvor zu keinem Ergebnis gekommen. Der Tarifvertrag ist am 31. März 2025 ausgelaufen. Die NGG fordert eine Lohnerhöhung von 7% im ersten Jahr. Das Gegenangebot der Brauerei: 2,2% im ersten, 2% im zweiten Jahr. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 10. Juni geplant.

Krombacher und Veltins (Sieger-, Sauerländer Brauereien) sowie Gaffel und Reissdorf (rheinisch-westfälische Brauereien) wurden ebenfalls bestreikt. Die NGG-Forderung in NRW lautet: 6,6%, mindestens aber 280 Euro mehr, und 130 Euro mehr für Azubis.

Und auch in der Hauptstadt wurde gestreikt. Beschäftigte der Berliner Kindl-Schultheiss-Brauerei (Radeberger Gruppe) sollen 7% mehr Lohn bekommen; 150 Euro mehr für Azubis und eine Lohnangleichung aller am selben Standort vertretenen Radeberger-Betriebe.

Doch nicht nur Brauereien werden bestreikt. In Ostdeutschland fordert die NGG für Angestellte bei der Rhönsprudel-Tochter Bad LiebenwerdaMineralquellen 8,5% mehr Lohn. Dort war erst kürzlich (INSIDE 975) die Glasanlage umgebaut worden. Die kam allerdings nicht ins Laufen, was zur Folge hatte, dass Marken im Glasbereich nur sehr eingeschränkt verfügbar waren. Ebenfalls Ende Mai hat die auf vergleichbare Löhne im Westen schielende NGG zu Warnstreiks aufgerufen. Am Donnerstag wurden dann auch 145 Mitarbeiter der MEG Kirkel von der NGG Region Saar zum Warnstreik aufgerufen.

Um trotz Streiks die Personalkosten klein zu halten, bleibt den von massiven Absatzverlusten geplagten Brauereien und dem GFGH nichts anderes, als zu improvisieren. Zum Beispiel über Weiterbildungsprogramme für die Angestellten, die speziell auf kleine und mittlere Betriebe zugeschnitten sind. Nicht selten gefördert von der Agentur für Arbeit.

Fördermittel durch Fortbildung

Die Voraussetzung dafür: Die Mitarbeiter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt und haben in den letzten zwei Jahren keine ähnliche Fortbildung absolviert. Pro Fall können Unternehmen im Schnitt an Fördermittel in Höhe von rund 45.000 Euro kommen – inklusive kompletter Übernahme der Weiterbildungskosten und bis zu 75% Zuschuss zum Arbeitsentgelt bei bis zu drei Teilnehmern.

Ein solches Fortbildungsprogramm, das auch für die Getränkebranche interessant ist, bietet die Akademie des deutschen Mittelstandes an, die vom Ex-Krombacher-Mann Thomas Philipzig gegründet wurde. Die Schwerpunkte: Digitalisierung, Personalgewinnung, Markenkommunikation. Die Akademie bietet daher Schulungen zum Digital Process Engineer, Social Recruiting Manager oder dem bald verfügbaren Media Developer an. Die Inhalte reichen von der Arbeit mit Cloud-Systemen über Social-Media-Kampagnen bis hin zum Aufbau von Arbeitgebermarken.

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