Beim Versuch, den damals profitablen GFGH in eine Konzernstruktur zu pressen, ist der Patient gestorben.Sechs Jahre nach der Übernahme durch Radeberger gehen Ende März bei Getränke Lippert die Rollläden runter.
Die teure Übernahme des damals 100 Mio Euro Umsatz großen Getränke Lippert (als Kaufpreis wurden Summen zwischen 30 und 50 Mio Euro gehandelt) stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Offenbar ging es den von Vertikalisierungs-Visionen berauschten Radeberger-Strategen vor allem um eine symbolträchtige Trophäe. Claus Lippert genoss als Gf und Chef-Einkäufer der Top Getränke sowie als Aufsichtsrat der (wenig später an Oetker-Transgourmet verkauften) Geva über hohe Branchen-Reputation, auch bei GFGH-Kollegen, auf die es Radeberger damals abgesehen hatte.
Neben der Logistik verdiente Lippert sein Geld vor allem im Einzelhandel. Radeberger stufte die Neuerwerbung gleichwohl als Gastrohandel ein und hängte sie an die Beteiligungsgesellschaft VfG, heute Drinkport. Unter dem gemeinsamen Dach der Drinkport-Tochter Schenker-Lippert-Huster SLH Getränke schwand die Bedeutung des oberfränkischen Platzhirschs. Lipperts Zweigbetrieb im Vogtland, das an der A72 gelegene sächsische Lager in Reichenbach, wurde schon vor eineinhalb Jahren geschlossen („Radeberger schleift Lippert“ – INSIDE 951) und zur Schwester Huster nach Zwickau verlagert. Nun lässt SLH-Gf Tilo Schenker den vergleichsweise modernen Lippert-Stammbetrieb in Hof folgen.
Die Schließung ist für die mit Millionenverlusten kämpfende SLH nicht billig. Neben Sozialplänen wird für beide Standorte weiterhin Miete an Altinhaber Lippert fällig. Laut INSIDERN bis Ende 2033. Die rund 60.000 hl schwere Zusammenarbeit mit Kulmbacher, für deren Tochter EGU Lippert als Rampe und Logistiker diente, wird aufgelöst. Und auch die auf Getränke Hoffmann umgeflaggten Fachmärkte brauchen Alternativen. Nutznießer könnten die umliegenden GFGHs sein, vorneweg die Ziegler-Beteiligung Kießlinger-Breitengüßbach, und für Gastronomie der GFGH-Konkurrent Sagasser/Lisa Mai.

