Kay Bohn

Kay Bohn, seit über 30 Jahren Verleger mit Herzblut, galt lange als feste Größe im GFGH. Mit der Übernahme von Getränke Helmke in Dresden Mitte der 2000er Jahre wurde er in den Orbit der Radeberger Gruppe gezogen. Aus Helmke entstand durch weitere Zukäufe – Flack & Schwier (2019) sowie Schneider & Berger (2021) – schließlich der Dresdner Gastro-Platzhirsch HFS Getränke, mit Bohn an der Spitze.

Sein Ruf? Verlässlich. „Zusagen wurden immer eingehalten“, sagt ein INSIDER. Bohn pflegte ein gutes Verhältnis zu seinen Kunden. Ein Pfund, das in der Branche zählt. Doch all das half am Ende nichts: Kay Bohn ist raus. Nach drei Jahrzehnten wurde er fristlos entlassen. Dabei war sein Ausscheiden längst geregelt. 2027, im Alter von 67 Jahren, sollte er in Rente gehen. So lange wollte man bei Radebergers GFGH-Arm Drinkport offenbar nicht mehr warten.

Der Auslöser: eine nicht abgestimmte Einladung zum „WutStammtisch“ im Februar 2026. Der provokante Tonfall widersprach der Konzern-Hygiene und wurde Bohn zum Verhängnis. So heißt es in der Einladung: „Wir laden dich ein zum Auskotzen… Der WutStammtisch ist eine Wirtsleute-Plattform für temporäre Befreiung, das Ventil für überschüssige Emotionen.“ Mit sarkastischen Spitzen werden Themen angerissen wie: „Wie verdiene ich in der halben Zeit mehr als mein Chef, ohne dass er es merkt?“ oder „Welche Sprachen sollte der Chef lernen, um das Personal zu verstehen?“

Unverblümte Wirte-Sprache statt konzernkonformer Weichspüler-Rhetorik. Das war zu viel für die Radeberger Gruppe. Sie wertete die Einladung als „unvereinbaren Werteverstoß“ und griff zur fristlosen Kündigung. Dafür gibt es selbst von einem ebenfalls konservativen Konkurrenzunternehmen Verständnis ("Die Tonalität muss immer zum Unternehmen passen"). 

Dennoch: Der Vorgang hat einen faden Beigeschmack. War die überspitzte Einladung wirklich der Skandal? Oder nur der Hebel, um einen teuren Kopf vorzeitig loszuwerden? Fakt ist: Die Umsätze bei HFS passten zuletzt nicht mehr. Und mit dem Abschied von Drinkport-Boss Bernd Schulte verschwand auch die schützende Hand über Bohn. Ein INSIDER: “An seinem Stuhl wurde schon länger gesägt.” Bis ein Nachfolger gefunden ist, will der neue Drinkport-Lenker Oliver Weyerstall die Geschäfte in Dresden enger begleiten. 

 

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