Outsider: Habemus Cancellarium!

Holger Messner

Lieber INSIDER,

„habemus cancellarium“: Friedrich Merz ist unser neuer Kanzler. Mit ihm ist nicht nur Hoffnung, sondern die Erwartung auf wirtschaftlichen Aufschwung verknüpft. Doch das Vertrauen in Deutschlands neue Regierung ist gleich zu Beginn beschädigt. Merz stolperte auf dem Weg ins Kanzleramt. Zwei Wahlgänge waren notwendig. Ein geschichtsträchtiger Fehlstart. Umso mehr gilt es nun, dem 144-seitigen Papier namens Koalitionsvertrag, der am Montag unterzeichnet wurde und Deutschland zurück in die Spur führen soll, Taten folgen zu lassen. Was darf die Branche vom fünften schwarz-roten-Regierungsbündnis in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erwarten? Festgezurrt ist, dass ab 2026 die Umsatzsteuer in der Gastronomie auf Speisen dauerhaft auf sieben Prozent reduziert wird. Unter dem Oberpunkt „Bürokratieabbau“ heißt es zudem, in Gastronomie und Hotellerie solle statt auf Dokumentationspflichten künftig vermehrt auf Sanktionierung von Verstößen gesetzt werden. Wie genau das mit „Vertrauen statt Regulierung und Kontrolle“ in einem Land der Regulierer und Kontrollettis funktionieren soll, ist mir noch ein Rätsel. Ohnehin habe ich das Gefühl, dass nach Merz‘ Stolperstart die Skepsis der Zuversicht wieder überwiegt.

Merz und sein Kabinett sind dazu verdammt, zu liefern. Europas größte Volkswirtschaft hat im ersten Quartal des laufenden Jahres eine erneute Rezession nur hauchdünn vermieden (BIP: +0,2%). Und für die Gastronomie und alle ihre Partner geht es weniger darum, wirtschaftlich zu wachsen, sondern schlicht um Existenzen. Wie ich seitens kleinerer Verleger höre, kann das erste Quartal getrost in die Tonne gekloppt werden. Der April sei zwar etwas besser gewesen, aber nur immer auf gutes Wetter zu hoffen, damit die (Kron-)Korken knallen, kann es doch auch nicht sein.

Damit aber überhaupt Gebinde gefüllt werden, die später zu welchem Anlass auch immer geköpft werden können, braucht es erst mal ausreichend Flaschen. Und hier zeichnen sich schon jetzt nach den ersten sonnigen Wochen erste Kapazitätsengpässe beim Leergut ab. Der Gerolsteiner Brunnen etwa informiert seine Kunden, nicht mehr vollumfänglich lieferfähig zu sein. Grund: Überperformance bei zeitgleicher Aktionitis. Das stößt nicht bei allen Verlegern auf Verständnis (siehe S. 9). Und bei Trinks, so berichten INSIDER, mehren sich bereits die Anfragen, wie viel Leergut geliefert werden könne. Der normale Wahnsinn bahnt sich wieder seinen Weg. Daran, so viel steht fest, kann auch Fritze nichts ändern. 

Ihr Outsider

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