Reissdorf nun doch bei Flaschenpost

Frischer Wind: Ruth Rubey

Ausgerechnet GHC-Altmeister Heinz Boecken öffnet Reissdorf die Tür bei Flaschenpost. 

Köln war für Flaschenpost der erste Markt, den Gründer Dieter Büchl nach Münster aufs Korn nahm. Später aber auch der Beweis, dass die von Oetker-Boss Dr. Albert Christmann und seinem Chef-Vordenker Dr. Niels Lorenz ausgelobte Parole „Lösung vor Marke“ den Praxistest besteht. Marktführer Reissdorf, dessen Distribution fest in den Händen der GHC (Boecken) liegt, verweigerte Flaschenpost eine Direktbelieferung (INSIDE 819). Und die GHC ermöglichte keine adäquaten Preise. Doch Flaschenpost startete auch ohne Marktführer durch, versorgt die Haushalte in Köln aus mittlerweile drei Lägern mit Gaffel, Früh oder anderen Kölschmarken (zu denen auch die Oetker-eigenen Gilden, Sion, Peters, Dom und Sester zählen).  

Doch Reissdorf hat sich inzwischen verändert. Auch ausgelassene Preiserhöhungen stabilisierten den Absatz nicht. Die Brauerei rutschte auf unter 500.000 hl. Die von Senior-Chef Michael von Rieff, 81, gehüteten Traditionen beginnen zu wanken. Im April holte Inhaber-Junior Christian von Rieff mit Ruth Rubey von Gerolsteiner eine Nachfolgerin für den seit 25 Jahren zurückhaltend amtierenden Vertriebsleiter Bernhard Hohmann.

Der Haus- und Hof-Distributeur GHC erahnte Ungemach. Heinz Boecken bastelte einen Willkommensgruß für Rubey. Der 76-jährige GHC-Macher, zuvor erbitterter Feind jedweder Kooperation mit Flaschenpost, ebnet Reissdorf nun den Weg ins Sortiment der in diesem Jahr auf 500 Mio Euro Umsatz zulaufenden Oetker-Tochter.

Die drei Kölner Läger, zu denen jetzt ein viertes, Flaschenpost, Bonn, stößt, werden mit Zustimmung von Boecken direkt beliefert. Der Auftrag läuft über Flaschenposts örtlichen Lieferanten, Getränke Essmann (DGL). So hält Reissdorf auf dem Papier an seinem GFGH-Mantra fest. 

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