Trouble nur vertagt bei Baywa

Zeitgleich zur Auslieferung von INSIDE 957 vor zwei Wochen gab es Beruhigungspillen für die Genossen und Geschäftspartner der Baywa – was aber nicht bedeutet, dass die Kuh damit vom Eis ist. Im Gegenteil.

Eine am 15. August 2024 veröffentlichte Mitteilung der Baywa AG bezog sich auf die Vereinbarung eines Überbrückungskredits in Höhe von 272 Mio Euro, der zunächst bis zum 30. September 2024 und unter bestimmten Bedingungen bis zum 31. Dezember 2024 verlängert werden kann. Zusätzlich wurden nachrangige Gesellschafter-Darlehen über 125 Mio Euro, eine Beteiligungsveräußerung in Höhe von 130 Mio Euro sowie eine Getreideveräußerung über 20 Mio Euro vereinbart. Insgesamt konnte die Liquidität in Höhe von 547 Mio Euro bis mindestens 30. September 2024 gesichert werden. 

Und dann? Diese Frage dürfte nicht nur die Baywa-Genossen beunruhigen, die die unter Vorstandschef Klaus Josef Lutz seit 2008 initiierte Internationalisierung des Geschäfts und damit einhergehend den Aufbau eines Schuldenberges von laut Finanzbusiness bis zu 11 Mrd Euro besorgt verfolgen, sondern auch Business-Partner und die Aktionäre. Letztere werden seit geraumer Zeit von der in München ansässigen Bergdolt Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB zusammengetrommelt. Diese verschickte jetzt ein Mailing, das INSIDE vorliegt. Man beschäftige sich, heißt es dort, „intensiv mit der Frage, ob die Risikodarstellungen in den Geschäftsberichten der letzten Jahre korrekt waren. Das derzeitige Szenario, das die BayWa AG in eine existenzielle Krise gestürzt hat, wurde in den Berichten weder im aktuellen Umfang noch als ein Risiko von geringer Wahrscheinlichkeit beschrieben.“ 

Bergdolt erwarte deshalb von der Baywa, „dass man dort eine außerordentliche Hauptversammlung einberuft.“ Zugleich prüfe man „Schadenersatzansprüche gegen die Gesellschaft und die Wirtschaftsprüfer wegen der unzureichenden Darstellung der Risiken in den Berichten.“

Das könnte noch ein heißer Herbst werden in der Vorstandsetage der angeschlagenen Baywa. Nicht zuletzt bangen viele Landwirte um ihren Handelspartner in Sachen Getreide, speziell bei Braugerste. Wie berichtet (INSIDE 957) hatte die vor Jahren von Evergrain zu Grainli umfirmierte Firmentochter das Team um Gf Andries de Groen zwar erst vor kurzem personell verstärkt und das Portfolio um Heimtierbedarf ergänzt. Mit der Konzernmutter Baywa hängt aber auch Grainli als Braugerstenlieferant für Mälzereien und damit für die Brauindustrie am Wohl und Wehe der Banken.

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